Offener Brief des Schauspielensembles


In einigen der zahlreichen Beiträge zum Thema Neubau vs. Sanierung wird die Ansicht vertreten, die Intendantin des Schauspiels habe mit ihrer Kritik an den Neubauplänen keinen Rückhalt in der eigenen Belegschaft. Als Beweis dafür wird die Personalversammlung vom 4.Dezember angeführt. Hier bedarf es einer Richtigstellung: Der Prozeß der Meinungsbildung zum Thema Neubau verläuft in der Theaterbelegschaft nicht weniger kompliziert als in der Stadt. Die besagte Personalversammlung war auf Seiten der Zuhörer mehr von Hilflosigkeit bestimmt als von klaren Haltungen; von einer generellen Ablehnung der Position der Intendantin konnte jedenfalls keine Rede sein. In der vielköpfigen Belegschaft der Bühnen gibt es sicherlich Stimmen, die für einen Neubau plädieren; es gibt aber ebenso solche, die dagegen sind. Angesichts der offenen Briefe, die in der letzten Woche in den Medien platziert wurden, sieht sich das Schauspielensemble der Bühnen zu der folgenden Klarstellung veranlaßt: das Schauspielensemble steht hinter der Intendantin. Ihre Gründe sind plausibel. Wir arbeiten gerne in dem jetzigen Haus. Der Riphahnbau ist ein hervorragender, wenn auch sanierungsbedürftiger Spielort. Vorschläge wie die Verkürzung des Saals, die Verbesserung der Akustik oder die Anbindung der Seitenbühnen an die geplanten Magazine im Betriebshof sind realisierbar. Formulierungen wie „nichtsteuerbarer Ausnahmezustand“ halten wir für Panikmache. Eine Sanierung wird die Arbeitssituation der Beschäftigten nicht weniger verbessern als ein Neubau. Eine Verlängerung der Interimszeit nehmen wir gerne in Kauf, wenn dadurch Gelder gespart und unkalkulierbare Bau- bzw. Teuerungsrisiken abgewendet werden können. Wir glauben, daß die Einsparung „kleinerer zweistelliger Millionenbeträge“ kein Fehler ist. Wir sind besorgt, wenn der Rat aufgefordert wird, nicht etwa die Neubauentscheidung zu überdenken, sondern statt dessen „Druck auf die künftigen Jahresbudgets für Oper und Schauspiel zu machen“. Zudem halten wir die Neubaupläne ästhetisch für fragwürdig. Fazit: wir begrüßen den Vorstoß der Intendantin. Karin Beier hat unser Vertrauen.



Köln, den 2.2.2010



Ilknur Bahadir, Susanne Barth, Lina Beckmann, Anna Blomeier, Robert Borgmann, Henning Brand, Thomas Dannemann, Robert Dölle, Birgit Domin, Thomas Dreißigacker, Therese Dürrenberger, Simon Eckert, Paul Faßnacht, Jennifer Frank, Felix Goeser, Lucas Gregorowicz, Andreas Grötzinger, Ralf Harster, Anja Herden, Jan-Peter Kampwirth, Julia Klomfass, Tom Kühnel, Jürgen Kuttner, Albert Kitzl, Anja Lais, Carlo Ljubek, Christoph Luser, Tilo Nest, Barbara Nüsse, Josef Ostendorf, Murali Perumal, Karin Pfammatter, Claudia Plöchinger, Elke Rasche, Martin Reinke, Angelika Richter, Matthias Redlhammer, Maria Roers, Torsten Peter Schnick, Maria Schrader, Johannes Schütz, Maik Solbach, Nicolas Stemann, Devid Striesow, Christiane Sundermann, Laura Sundermann, Anna Viebrock, Felix Vörtler, Birgit Walter, Michael Weber, Kathrin Wehlisch, Julia Wieninger, Michael Wittenborn


 
 
 
 
 
 
 
 
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