
CLAUDIA PLÖCHINGER
Eine Buchstabierung
BESETZUNG
Wir laden Sie ein zu unserer Eröffnung und mit uns das fortzusetzen, was wir in der letzten Spielzeit begonnen haben. Diese kreist um das Wort Deutschland, und unsere Eröffnung kreist um das Gebäude des Schauspielhauses. So unterschiedliche Kontexte das Wort Deutschland mit sich bringt, so unterschiedlich sind die Ansätze der beteiligten Künstler. Was steht am Ende? Bekenntnis, Definition oder Auflösung? Was es auch sein wird, der Weg ist weit: Ein Marathon. Die körperliche und geistige Erschöpfung ist Programm. Aber es lohnt sich, auch wenn wir nicht wissen, ob der Weg auf der Siegertreppe oder in einem weiteren gemeinsamen Erlebnis endet, welches uns in Erinnerung bleibt und den Rest der Spielzeit begleitet. Für Ruhepausen und Besinnung wird gesorgt, und am Ende steht auf jeden Fall ein Fest mit Musik, Tanz und reichlich kühlen Getränken. So wie wir im Laufe der Spielzeit Deutschland untersuchen, untersuchen wir mit dem Eröffnungsmarathon auch das Schauspielhaus. Wir führen Sie als Gäste durch das Gebäude, spielen auf seinen Bühnen, in seinen Funktionsräumen und auf den umgebenden Plätzen: JÜRGEN KUTTNER studiert die deutsche Geschichte in Schlagern. ANTJE PFUNDTNER reicht eine Hand, die deine hält. ARMIN CHODZINSKI wundert sich über unternehmerische Staatenbildung. HAJUSOM tanzt Utopie. THE LIVING MUSIC BOX UND VIKTOR MAREK verschlagern bis zu den Sternen. HOFMANN & LINDHOLM teilen den Raum. OTMAR WAGNER singt politische Grenzen und Territorien. GINTERSDORFER / KLAßEN behaupten, der da, das ist kein Mensch, das ist ein Held. SCHINDELKILLIUSDUTSCHKE prüfen die Stimmlage. SUSE WÄCHTER betreibt Ahnenkult als aktive Geschichtsschreibung. JACQUES PALMINGER singt das Lied für alle.
Praktische Tipps für den "Marathon der Sonderklasse" finden Sie bei den News auf dieser Internetseite.
Und hier ausführliche Informationen zu allen beiteiligten Künstlern:
D.
JÜRGEN KUTTNER studiert die deutsche Geschichte in Schlagern.
VIDEOSCHNIPSELVORTRAG
Das Prinzip Videoschnipselvortrag.
Jeder Videoschnipselvortrag besteht A aus den Videos und B aus Kuttner, dem Mann also, der sie vorab fürs Publikum aussucht, zerschnipselt und schließlich auf der Bühne präsentiert. Rekrutierten sich die Ausschnitte anfänglich noch paritätisch aus alten Sendungen des DDR- und BRD-Fernsehens, operiert Kuttner inzwischen global. Ausschnitte des chinesischen, indischen oder russischen Fernsehens werden in seinen Veranstaltungen ebenso selbstverständlich eingebaut, wie Szenen aus schweizerischen TV-Sendungen oder Hollywood B-Produktionen. So lehrreich, bizarr oder unterhaltsam diese Schnipsel auch sind, ihre wahre Wirkung entfalten sie erst in der Kommentierung durch Kuttner. Jeder Abend hat ein eigenes Motto, eine eigene These. Allerdings können sich Thema und Dauer bis zur letzten Minute ändern, und den aktuellen politischen Ereignissen oder plötzlichen Gemütsschwankungen Kuttners angepasst werden.
Für die Eröffnung der Eröffnung des Schauspiel Kölns verbindet sich Kuttners Prinzip mit dem Puppenkaraoke von Suse Wächter und er geht den Versuch ein, in 30 Minuten zu leisten, wofür er sonst einen ganzen Abend Zeit hat.
Konzept und Vortrag: Jürgen Kuttner/ Puppenanimation: Jennifer Frank , Suse Wächter, Rike Schubert.
Jürgen Kuttner, 1958 in Ostberlin geboren, lebt und arbeitet als Autor und Performer in Berlin, studierte Kulturwissenschaften und promovierte später zum Doktor der Philosophie. Er ist bekannt als Gründer der Ost-TAZ, Moderator beim Jugendsender Fritz, Videoschnipselkommentator an der Berliner Volksbühne und anderen Schauspielhäusern. Er realisiert Theaterprojekte mit Tom Kühnel und
Suse Wächter – u.a. am Schauspiel Köln »Parsifal«, die erste Premiere am 21. September 2008 und in der letzten Spielzeit »Fordlandia«.
www.kuttner.de
E.
ANTJE PFUNDTNER reicht eine Hand die deine hält.
TANZ
Extase / Eifer / Euphorie / Einheit / Einsamkeit
„Mein Tanz ist extatisch. Ich arbeite mit Eifer an meiner Euphorie. Ich bin eine Einheit
und natürlich einsam.“ (Antje Pfundtner)
Antje Pfundtner begibt sich in die prekäre Lage, der Frage von Innen und Außen zu begegnen und riskiert damit das Gefühl der Überflüssigkeit zu produzieren. Durch den Verweis auf das Fremde in uns / ihr und den illusionären Wunsch nach „Liebe ohne Leiden“ insistiert sie darauf, dass das, was wir uns an einem Wunsch nicht eingestehen können, das Bild ist, das wir uns von ihm gemacht haben. Das Fremde in uns, „das ist der Teil, der uns abhanden kam und den wir Zeit unseres Lebens, jeder auf seine Weise, wiederzufinden versuchen.“ (Arno Gruen)
Das Danebensein, oder die feine Linie zwischen dem Lächerlichen und dem Erhabenen, zwischen Sinn und Unsinn, zwischen Mangel und Vorteil, zwischen Fantasie und Realität prägt Antje Pfundtners Suche, diese „menschlichen“ Themen in einen spezifischen Bewegungs- und Sinnzusammenhang zu stellen.
Antje Pfundtner erhielt ihre Ausbildung an der Amsterdamse Hogeschool voor de Kunsten und arbeitet seit 1999 national und international als Choregrafin und Tänzerin. Ihr Solo »eigenSinn« wurde zur Tanzplattform Deutschland 2004 eingeladen und tourt seitdem international erfolgreich. Es enstanden weitere Gruppenarbeiten: »selbstinschuld«, »inDeckung« und im Frühjahr diesen Jahres »RES(E)T«, sowie die Kooperationsarbeit »Outlanders« mit der chinesischen Choreografin Wen Hui vom Living Dance Studio/Peking.
www.antjepfundtner.de
U.
ARMIN CHODZINSKI wundert sich über unternehmerische Staatenbildung.
LECTURE PERFORMANCE
Bevor jemand merkte, dass sich die Welt verändert, dass sie sich fundamental verändert, agierten die Unternehmen bereits global, multi- und transnational, überterritorial und all das. Das ist schon mindestens 100 Jahre her. Henry Ford gestaltet königlich und väterlich die Lebensregeln seiner Arbeiter – die Lehrpläne, die Gottesdienste und die Wohnungen auch. Die Arbeiter geben ihren Körper und erwirken das Recht auf Schutz durch den Lehnherren, manchmal: Die Fabrik ist die Ritterburg – voller Dampfhämmer und optimierter Prozessketten. Dann will der Unternehmer nicht mehr König sein, der Mitarbeiter nicht mehr Diener und der Nationalstaat erlebt seine Hochzeit: Der Unternehmer kümmert sich um den Profit, der Staat um die Menschen und das Territorium. Und heute? Die Gruppe der Fans von Britney Spears ist homogener als die der Deutschen, sagt man und die Identitäten, die sie ausbilden bestehen aus Ethiken, Regeln und Gesetzen – verbindlich, aber ohne Staat, bindend, aber ohne Territorium. In den letzten zehn Jahren wurden in Deutschland ca. 170 Unternehmenshymnen durch klein- und mittelständische Unternehmen in Auftrag gegeben: Die Fürstentümer konstituieren sich wieder und man sucht sich sein Volk – in Assessmentcentern und auf Recruitingmessen. Ein Vortrag mit Chor, Protest, Krawatte und oberlehrerhaften Mahnungen.
Konzept: Armin Chodzinski / Mit: Armin Chodzinski, Therese Dürrenberger, Andreas Grötzinger, Ralf Harster, Murali Perumal, Birgit Walter.
Armin Chodzinski, studierte Freie Kunst, arbeitete mehrere Jahre in Management und Beratung und promovierte in Anthropogeografie. Als Künstler, Assistent der Geschäftsleitung, Manager, Unternehmer, Berater, Forscher, Performer, Dozent oder Publizist versucht er Kunst und Ökonomie zu verstehen – und Stadt und Raum und organisationales Verhalten auch...
www.chodzinski.com
T.
HAJUSOM tanzt Utopie.
MUSICAL PERFORMANCE
„Wir müssen eine neue Geografie erfinden, die nicht einfach physisch sondern entschieden emotional ist“. (Simon Nyami)
Wenn man als Mensch sein Land verlässt und sich auf die Flucht begibt, dann hat das meistens folgende Gründe: Krieg oder Hunger. Wenn man auf der Flucht ist, ist man nicht besonders wählerisch das zukünftige Gastland betreffend. Wer auf der Flucht ist, lernt das unausweichliche Prinzip von nationalen Grenzen und nationalen Identitäten kennen und erfährt, dass der Besitz eines Passes über Leben und Tod entscheiden kann. Waren hingegen kennen keine Grenzen – die Globalisierung eröffnet den freien Markt. Wenn man nun aus der dritten Welt kommt und wählerisch sein möchte – also Deutschland wählt, um hier zu leben, zu arbeiten, zu sein, kann man ja mal versuchen, sich die Regeln des Freien Marktes zu eigen zu machen - also selbst zur Ware zu werden: als Künstler in der deutschen Adaption der West-Side Story. Ob und wie das geht, zeigt Hajusom anhand von Short Cuts ihrer neuen Produktion: The Back-Up Story.
Von und mit Hajusom in Zusammenarbeit mit Nikola Duric/ Darsteller in Köln: Ibrahima Bah, Aminatu Jaloh, Nhung Le, Clare Nakayenga, Ismael Nabe, Mable Preach, Ben Sanogo-Willers/ Musik: Jimi Tenor & Kabu Kabu/ Choreografie: Angela Guerreiro, Friderike Lampert, Johnny Lloyd/ Künstlerische Leitung: Ella Huck, Claude Jansen, Dorothea Reinicke.
Hajusom, besteht seit 1999 als ein transnationales Kunst- und Theaterprojekt, das Menschen zusammen bringt, welche aktive Bürger einer komplexen, globalisierten Welt sind und ihre individuellen Landkarten in sich tragen. Alle Mitwirkenden der Gruppe haben den nationalen Blick umgekehrt und machen in ihrer gemeinsamen Arbeit Migration als zentrale Kraft gesellschaftlicher Veränderung sichtbar. In ergebnisorientierten Projektphasen entstehen in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Gastkünstlern an erster Stelle Theater Performances, außerdem Videos, CD-Produktionen, Rauminstallationen, Textsammlungen und bildnerische Arbeiten.
www.hajusom.de
S.
THE LIVING MUSIC BOX & VIKTOR MAREK verschlagern bis zu den Sternen.
KONZERT
Die sogenannten Perseiden sind der größte und schönste Sternschnuppenstrom im Jahr. Bei guter Sicht sind bis zu 110 Sternschnuppen in einer Stunde zu zählen. Inspiriert von ebensolchen kosmischen Energien lassen die beiden Musiker Carsten Schnathorst und Toto Graf – The Living Music Box – zusammen mit dem Soundtüftler Viktor Marek, ästhetische und musikalische Annäherungen sowie Distanzierungen zum Schlager in Fragmenten aus Zitaten und Eigenkompositionen aufeinander prallen. Live gespielte, eher im Schlager verhaftete Instrumente, werden mit modernem elektronischem Equipment gepaart und im selben Moment recorded, verfremdet und wieder eingestreut. Diese kosmische Staubpartikelmelange will sich auf den Weg machen als interplanetarische Spur, im Schnuppenzug zur Überwindung von Grenzen; seien es geografische, nationale, markt- und gewinnorientierte, religiöse, normale und sogenannte abnormale, ja sogar intergalaktische Trennungslinien. Ziehen Sie mit ihnen in elliptischen Bahnen zu horizontfreien Universen! Oder, um es mit Totos Worten zu sagen: „Ob Liebeskummer sich lohnt oder nicht – egal – ich sag einfach nur: Hello again!“
Komposition und Umsetzung: Living Music Box & Viktor Marek.
The Living Music Box (Carsten Schnathorst / Torsten Graf) gründete sich als Side-Projekt von Station 17. Während diese sich mit ihrem experimentellen, elektronischen Sound, nach nun mehr als 6 Alben und 10 Deutschlandtourneen, einen großen Namen erspielt haben, setzen die, als Duo formierten, The Living Music Box ganz auf handgemachte Musik und Evergreens. Viktor Marek ist Mitglied der Bands Knarf Rellöm, 8doogymoto, The Boy Group, Jacques Palminger & the Kings of DubRock. Diverse Remixe (u.a. für Die Sterne, BeigeGT, Jamie Lidell, Die Türen, Mediengruppe Telekommander, Christian Harder), Kollaborationen, Theater- und Hörspielmusiken. Anstehende Veröffentlichung: Jacques Palminger & the Kings of DubRock (Album, PIAS, September 2008). Nach wiederholter Zusammenarbeit, u.a. mit Knarf Röllem, und im Rahmen von »X_Labore« kamen die drei für »DU = D.E.U.T.S.C.H.L.A.N.D.« erneut zusammen.
www.barner16.de / www.theboygroup.biz / www.pudel.com / www.myspace.com/palminger / www.myspace.com/knarfrelloem
C.
HOFMANN & LINDHOLM teilen den Raum.
FILM
Hofmann & Lindholm interviewten vier Erwachsene, die seit über zwanzig Jahren in denselben Singlehaushalten in Berlin leben und die Zeit der Wende sowie die damit einhergehenden gesellschaftlichen Umwälzungen in ihren sozialen Lebensräumen erlebt haben. Anschließend baten sie vier Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren, als Stellvertreter der Befragten zu agieren und die in den Gesprächen angerissenen Biografien als die eigenen zu behaupten. Das im Gedächtnis jedes Einzelnen Gespeicherte ist nicht identisch mit dem ursprünglich Erinnerten: Es wird stets überlagert, durchkreuzt oder in sein Gegenteil verkehrt; insbesondere wird es selten bewusst.
Die Arbeit von Hofmann & Lindholm widmet sich diesem Phänomen. Die Umsetzung einer einfachen Aufgabenstellung liefert hierfür ein rätselhaft aufgeladenes Bild der Auseinandersetzung mit Geschichte in Deutschland. »Notiz /Wunderblock« ist ein Film über Altersweise mit reichlich Zukunft. Er handelt davon, wie Erlebtes im Nachhinein als Erfahrung konstruiert wird und thematisiert zugleich das Unvermögen jedes Einzelnen, Geschichte – und sei es noch nicht einmal die eigene – hinter sich zu lassen.
Mit: Zoe Boeti, Ferdinand Gröpler, Emily Hecker und Oskar Pospiech / Interviewpartner und Gastgeber waren Rainer Grabowitz, Annett Gröschner, Jutta Kiessling und Peter Throm / Konzept / Text, Regie, Kamera und Schnitt: Hofmann & Lindholm / Mitarbeit: Verena Billinger, Robert Lindner / Produktion: Büro für Angewandte Kulturvermittlung / Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes im Rahmen von »Poker im Osten«.
Hofmann & Lindholm realisieren seit 2000 interdisziplinäre Projekte an der Schnittstelle zwischen szenischer, bildender und akustischer Kunst. Dabei erforschen sie Strategien der gesellschaftlichen Aneignung und individuellen Selbstbehauptung. Sie tasten Systeme nach Spielräumen für Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit ab und beleuchten den Zusammenhang zwischen dem Einzelnen als Stellvertreter einer dem Gemeinwohl verpflichteten Ordnung und gesellschaftlichen Strukturen, auf denen diese Ordnung basiert.
www.hofmannundlindholm.de
H.
OTMAR WAGNER singt politische Grenzen und Territorien.
KONZERT PERFORMANCE
HEIMAT ist eine Konstruktion, ein konstruiertes Territorium, sowohl auf der mentalen, als auch auf der physikalischen Landkarte. HEIMAT, als angegrauter Begriff für kollektive Identität, wird nach Belieben gedehnt: von Angela Merkels „Ohne Europa keine Nationale Identität“ bis hin zur angestrengt politisch korrekten Verplüschisierung des Begriffs als körperliches Wellnessprogramm: „Heimat ist da, wo ich mich wohl fühle“. Verschwiegen, verschleiert, und eingeglättet wird das, worum es geht: Heimat als Waffe – der Einbindung und der Ausgrenzung, der Politisierung der Gefühle, die ihrerseits selbstverständlich nach Verortung suchen. Es geht um GRENZEN. Ohne Grenzen keine Heimat. Heimat definiert sich durch Grenzen – des privaten Körpers (Ich), des Wohnkörpers (Häuschen), des politischen Körpers (Rheinland, Deutschland, Europa). Klar ist: der KÖRPER ist die schizophrene, zerrissene Projektions- und Ablagerungsfläche ideologischer Vereinnahmung und Verortung. Als künstlerisches Subjekt verlegt Otmar Wagner sich auf die ambivalente Strategie der radikalen EINVERLEIBUNG und auf den gleichzeitig radikalen EXORZISMUS seines persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Geworfenseins. Er wird das konstruierte Territorium des Ich-Häuschens IDENTITÄT singend exekutieren, indem er den Sound der Kettensäge, der Politdebatten, des Schlagers, des Rasenmähers, der Heimatphilosophie bis zum Exzess zelebriert. Er performt die Politik der Gefühle im enthemmten Raum von ATOPIA, in dem sich das Nirgendwo zum Irgendwo steigert.
Otmar Wagner realisiert seit 1992 als Performancekünstler, Bühnenbildner und Regisseur neben zahlreichen Solo-Performances, Projekte u.a. mit der Wiener Gruppe toxic dreams, Henrik Vestergaard Pedersen, Irene Coticchio sowie Florian Feigl, mit dem er 1996 die »Wagner-Feigl-Forschung /Festspiele« gegründet hat. Seit 2003 entwickelt Wagner multimediale, essayistische Konzert Performances; daneben arbeitet er als Utopie- und Sehnsuchtsforscher.
L.
GINTERSDORFER / KLAßEN behaupten „der da, das ist kein Mensch. Das ist ein Held “.
TANZ PERFORMANCE
Der da, der da, das ist kein Mensch, das ist ein Genie, der da, der da, das ist ein Teufel, singen die afrikanischen DJ’s in den Pariser Nachtclubs und umringen einen scharf aussehenden Mann aus dem Publikum, der zum gehypten Mittelpunkt der Performance wird. Stars ausrufen, sich zu Helden machen, kostbar werden ist gerade im Banlieue angesagt, wo der gesellschaftliche Ausschluss groß ist.
Helden sind in den Mythen den Göttern nah, sie sollen herausragende Leistungen körperlicher oder geistiger Art vollbringen, Vorbilder sein. Aber spätestens seit dem propagierten Heldentod im zweiten Weltkrieg und den Helden der Arbeit im Sozialismus sind sie in Deutschland in Verruf gekommen. Nach den Helden haben wir es mit Stars und Staranwärtern aller Kategorien zu tun: Politik, Religion, Sport, Sex, Kochen, Entertainment. Alles kann ins Starsystem integriert werden und es inflationieren.
Welche Strategien der mentalen und physischen Stärke in welchem System funktionieren, wie Aura entsteht und sich Loyalität und Betrug verketten, könnte in den Schnellperformances von Gintersdorfer / Klaßen aufblitzen. Aber den Verlauf bestimmt der Moment: die Mutigen sind Schauspieler der Nibelungeninszenierung am Schauspiel Köln im Zusammentreffen mit dem afrikanischen Tänzer Franck Edmond Yao, alias Gadoukou la Star.
Konzept und Regie: Gintersdorfer / Klassen / Darsteller: Patrick Gusset, Carlo Ljubek, Michael Weber, Franck Edmond Yao.
Monika Gintersdorfer (Regisseurin) und Knut Klaßen (bildender Künstler) entwickeln seit 4 Jahren Projekte, in denen sie Ausdrucks- und Lebensformen der Darsteller ins Zentrum stellen und mit ihren eigenen Strategien und Ästhetiken konfrontieren. Sie arbeiten mit einem deutsch, französisch-afrikanischen Team, in dem Franck Edmond Yao aus der Côte d’ Ivoire eine zentrale Funktion als Darsteller und Choreograf übernimmt.
A.
SCHINDELKILLIUSDUTSCHKE prüfen die Stimmlage.
MUSIK PERFORMANCE
schindelkilliusdutschke meditieren den Kammerton A und prüfen die Stimmung musikalisch mit Gesängen aus den Urgründen des deutschen Volkes und existenziell mit Hilfe von geistigen Höhenflügen ausgewählter Dichter und Denker. So lehrt sie Heidegger: „Dass Stimmungen verdorben werden und umschlagen können, sagt nur, dass das Dasein je schon immer gestimmt ist. Die Stimmung überfällt. Sie kommt weder von ‚Außen‘ noch von ‚Innen‘, sondern steigt als Weise des In-der-Welt-seins aus diesem selbst auf.“ Auch Sigismund von Gleich bietet poetischen Boden um „wie A-Dur leicht geflügelt, schmetterlingshaft schwebend, anmutig gleich einer Nymphe“ zu tanzen, denn „wer als feinfühliger Mensch das unbegrenzte Glück der Liebe erlebt, würde vor lauter Wonne seine Seele in A-Dur ausschütten.“
Begeben Sie sich mit schindelkilliusdutschke auf die Suche nach der goldenen Stimmgabel und genießen Sie bei mind. 440 Schwingungen / Sek. die richtige Stimmung.
Die drei Musiker und Darsteller Volker Schindel, Rainer Killius und Tobias Dutschke (Berlin) entwickeln seit ihrer Trio-Gründung 2005 musikalische Theaterabende in verschiedenen Formaten, u.a. »Aus der Kammer Musik Theater« (Sophiensaele Berlin / 2005), »strike me – stroke me« (Konzerthaus Berlin 2006). 2007 folgte »Passagiere im Kegelkeller« (Neuköllner Oper) und »Mondflucht« (Konzerthaus Berlin mit schloss bröllin e.V.). Für »strike me – stroke me« und »Mondflucht« arbeitete das Trio mit dem Regisseur Matthias Rebstock zusammen.
„Aus Musik und Klang geborenes hochartifizielles wie humoriges Theater, getragen von der ungehemmten Spielfreude eines Trios, bei dem sich musikalisches Können fröhlich mit szenischer Fantasie paart.“ (Der Tagesspiegel)
www.schindelkilliusdutschke.de
N.
SUSE WÄCHTER betreibt Ahnenkult als aktive Geschichtsschreibung.
PUPPENKARAOKE
Helden des 20. Jahrhunderts. Fußnote 1: Karaoke der Unsterblichen
Eine Ahnengalerie aus vergangenen Zeiten wird sich in Stellung bringen, um im Hier und Jetzt IHRE Wünsche zu erfüllen. Mit dabei sind: Konrad Adenauer, Muhammad Ali, Jassir Arafat, Kemal Atatürk, Piet Best, Wernher von Braun, Bertolt Brecht, Fidel Castro, Nikita Chruschtschow, Winston Churchill, Marlene Dietrich, Albert Einstein, Franco, Kaiser Franz Joseph I., Mahatma Gandhi, Jurij Gagarin, Che Guevara, Joseph Goebbels, Michael Gorbatschow, David Ben Gurion, Ernest Hemingway, Adolf Hitler, Erich Honecker, Kaiser Hirohito, Elfriede Jelinek, Papst Johannes Paul II., John F. Kennedy, Jacky Kennedy, Martin Luther King, Helmut Kohl, Ayatolla Khomeini, Hund Laika, Lenin, John Lennon, Rosa Luxemburg, Wladimir Majakowski, Malcolm X, Nelson Mandela, Mickey Mouse, Mao Tse-tung, Marilyn Monroe, Benito Mussolini, Zar Nikolaus II. mit Sohn und Töchtern, Richard Nixon und viele andere mehr – last but not least – reicht die Ahnenreihe zurück bis zu den Übervätern des 20. Jahrhunderts Charles Darwin, Henry Ford, Sigmund Freud und Karl Marx. It’s the singer not the song! There’s no time for us / There’s no place for us / What is this thing that builds our dreams / Yet slips away from us / Who wants to live forever / Who wants to live forever?
Idee und Puppen: Suse Wächter / Videoclips: Jo Schramm / Animation: Jennifer Frank, Rike Schubert, Suse Wächter / Musik: Valent in Czihak, Stefan Lytko, Philipp Danzeisen, Matthias Trippner, Gerhard Schmitt, Martin Klingeberg, Robert Schalinski, Chriegel, Rike Schubert, Markus Hübner, Jan Fitschen, Hans Jörn Brandenburg, Kim Efert, Max Andrzejewski, Matthias Keul.
Suse Wächter ist wohl eine der bedeutendsten Puppenspielerinnen und -bauerinnen im deutschsprachigen Theater und arbeitet in verschiedenen Projekten an der Neuerfindung des Puppenspiels im Schauspiel und Musiktheater. Sie gastiert am 25. und 26.09. mit ihren »Helden des 20. Jahrhunderts« in der Halle Kalk. Spielt/e am Schauspiel Köln in »Parsifal« und »Fordlandia«.
D.
JACQUES PALMINGER singt das Lied für Alle.
THE LIVING MUSIC BOX verschlagert ALLE.
KITTY ATOMIC & MISS STEREO / BOOTY CARRELL & VIKTOR MAREK laden zum Tanz FÜR ALLE.
LIED / KONZERT / PARTY
Jacques Palminger wurde 1964 im Kreise seiner engsten Verwandten geboren, zeugte im Streit zwei Kinder und spielte Schlagzeug in der Punkband „Dackelblut“. Im Oktober 2008 erscheint die CD „Jacques Palminger and the Kings of Dub Rock“ mit Rica Blunck und Viktor Marek. Er ist Gründungsmitglied der Geheimloge Studio Braun, die am Deutschen Schauspielhaus Hamburg mit „Phoenix“ und „Dorfpunks“ das Genre des psychedelischen Volkstheaters neu belebt haben und inszenierte an der Volksbühne Berlin sein eigenes Theaterstück „Babylon must fall“. Idee & Text: Jacques Palminger, Komposition: Lieven Brunckhorst / Video: Meika Dresenkamp / Live-Part: Viktor Marek
The Living Music Box tritt an mit einer Auswahl aus ihrem reichhaltigen Repertoire von mittlerweile über 150 Songs und versorgt uns per Juke Box Prinzip mit bewährten Klassikern und Hits in charmanten Coverversionen. Wählen Sie ihren persönlichen Favoriten aus der Songliste, die Sie in ihrer Tasche finden und die Band gibt auf Zuruf wie auf Knopfdruck und Geldeinwurf das persönliche Lieblingslied zum Besten.
Kitty Atomic & Miss Stereo, fast dauerhaft zu hören im Gebäude 9 (Gogo Crazy / Miau-Party) und im Tsunami Club (Heavy Petting / Buzzsaw Massacre), von dem Kitty Atomic seit 2006 Mitbetreiberin ist. Ihr charmanter Stilmix aus altem und neuen Krach, Pop & Roll, 60&80's und PartyPunk, ist eine Grenzerfahrung des guten Geschmacks, und kann manchen Zuhörer an seine Toleranzgrenzen führen. Wir haben es hier mit einer humorvollen Achterbahnfahrt durch die Popgeschichte zu tun.
Booty Carrell und Viktor Marek sind zwei tapsige Mischlinge, mit der Flasche des Golden Pudel Club Hamburg großgezogen und immer noch an der langen Leine zappelnd, naschen gerne herzhaft-bunte Dragees verschiedener Musikstile — elegant schwingende Beats, Fanfaren der Gelassenheit und Kuhglocken aus dem Allgäu finden in ihrer Beschallung Platz, genau wie das leise Heulen sibirischer Wölfe. Ein Rezital der Welt: New York / Hamburg / Paris / Dinslaken / Bamako / Cartagena / Lodz / Kingston / Wave / NoWave / sie nennen den Sibirrsinn einfach MUSIK!
KOMMENTAR VERFASSEN
Bea schrieb am 28. 10. 2008 um 17.53 Uhr
Sehr gelungene Nacht :-) Danke!
RAlf Möller schrieb am 4. 9. 2008 um 16.40 Uhr
lustig.
Sara Rheick schrieb am 3. 7. 2008 um 09.42 Uhr
Wer die ganze Zeit von Räumen spricht, die sich ihm neu eröffnen, der sollte vielleicht das Brett vor dem Kopf entfernen.
Offenbachplatz /
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