Sa
26.09.

PREMIERE
Schauspielhaus

zur Fotogalerie

FOTOGALERIE

zum Trailer

TRAILER





KÖNIG LEAR

WILLIAM SHAKESPEARE
Tragödie
BESETZUNG
ABO DI


Im Anfang steckt schon das Ende, die ganze Katastrophe: Der alte König Lear will vor der Zeit abdanken, Macht, Besitz und die Sorge um den Staat ablegen und sein Reich unter seinen drei Töchtern zu gleichen Teilen aufteilen. Er stellt die Liebe seiner Töchter auf die Probe und fragt, welche ihn am meisten liebe. Goneril und Regan beteuern pflichtgemäß ihre Liebe und bekommen ihre Teile, Cordelia, die jüngste, von ihm am meisten geliebte Tochter verweigert sich dem rhetorischen Wettbewerb und antwortet auf die Frage, was sie sage: „Nichts.“ Mit diesem „Nichts“ nimmt die Tragödie als ein groteskes philosophisches Narrenspiel ihren Lauf: Lear enterbt und verstößt Cordelia, er selbst wird von Goneril und Regan in die Wüste geschickt und zum Outcast degradiert. Dieses „Nichts“ ist das Fanal zum Crash einer Weltordnung, Gesetz und Moral, Logik und Vernunft implodieren, Gewalt, Chaos, Wahnsinn und Zerfall treten an ihre Stelle. Und keine rettende Utopie erhellt die apokalyptische Dunkelheit. Am Ende sind alle tot.

Bei Shakespeare wurden die weiblichen Figuren von männlichen Darstellern vorgeführt. Wir bleiben in der Tradition dieses Rollenspiels – mit umgekehrtem Vorzeichen: Frauen spielen Männer und Frauen und eröffnen neue Perspektiven auf König Lear, dieses vierhundert Jahre junge Stück, in dem auch immer die Frage nach Wahrheit oder Täuschung, nach dem Kern der eigenen Identität gestellt wird.


Pressestimmen:

„Das Eröffnungsbild kreiert die Stille des Anfangs. Paradiesischen Zustand. Eine Unschuldvermutung. Dann wird es Licht. Das Drama beginnt – und der Zerfall setzt ein (…) Was mit großer Geste beginnt, kann nicht klein enden. Karin Beiers „König Lear“ zur Eröffnung der Spielzeit am Kölner Schauspielhaus hat den Mut, die Konsequenz und den Willen zum Weltdeutungsdrama, das hier ein Weltendedrama meint, in dem das, was ist, nur eine Silbe, eine Sekunde, einen Licht-, Kleider und Stimmwechsel getrennt ist vom Nichts. Den Zwischenraum – mit der Ver-Nichtung von Ordnung – füllen 140 pausenlose Minuten schmerzhaft intensiv, unfeierlich, unerbittlich, radikal. Bis auf die Knochen frei gelegt, lässt die Inszenierung keine Gefallsucht, strapazierte Aktualitätsfloskeln und entleerte Dekonstruktionsformeln zu. Nach diesem Abend weiß man wieder, warum überhaupt man ins Theater geht.“
(Andreas Wilink, Nachtkritik)

„Warum nur Frauen? (…) Die Frage hat sich nach wenigen Minuten im Kölner Schauspielhaus sowieso erledigt. Es geht zumindest mit diesen Frauen ebenso gut, wie mit Männern oder rollengemäßen Geschlechtszuordnungen. Ach nein, es geht noch besser. Hier lenkt kein Geschlechterkampf ab vom Konflikt der Generationen und von der Schlacht, die jeder Einzelne mit seinem herannahenden Tod ausficht.“
(Christian Bos, Kölner Stadtanzeiger)

„Am Schauspiel Köln geht Karin Beier einen Schritt weiter. Shakespeares Tragödie hat sie durchweg mit Frauen besetzt, die, nur sechs insgesamt, elf Rollen übernehmen. Die Frage des Geschlechts tritt dabei hinter der tödlichen Logik der Gewalt zurück und erscheint ähnlich äußerlich wie Kostüm und Rolle. Dass es Frauen sind, die so viel Grausamkeit zulassen und ihr ausgesetzt werden, lässt diese fast noch verletzlicher, qualvoller, brutaler erscheinen. Sinnlos zeiht die Gewalt ihre blutige Bahn.“
(Andreas Rossmann, FAZ)

„Karin Beier, die Intendantin des Kölner Schauspiels, gilt als ausgewiesene Shakespeare-Expertin und widmet sich nun zum Saisonauftakt erstmals dessen Spätwerk „König Lear“. Es wurde ein beeindruckender Abend, disparat und verstörend, nervend und berührend (…) Nach diesen zweieinviertel Stunden verlässt man das Theater anders, als man es betreten hat.“
(Hans-Christoph Zimmermann, General-Anzeiger)

„Kühn und entschlossen treibt Beier Shakespeares Tragödie in die Groteske – die schärfste Form der Zuspitzung, denn die Groteske verweigert jedes Mitgefühl. Das Tragische tritt nackt zu Tage in seiner hässlichen Sinnlosigkeit. So gnadenlos hat man die Vernichtung eines Herrschergeschlechts noch nicht gesehen.“
(Dorothee Krings, Rheinische Post)

„Schwer und düster, mörderisch und feucht, geriet Karin Beiers Inszenierung von Shakespeares „König Lear“ am 26. September im Kölner Schauspielhaus zu einer Hommage an den vor wenigen Monaten verstorbenen Regisseur-Kollegen Jürgen Gosch.“
(Andreas Rehnholt, www.musenblätter.de)

“Man hört das hysterische Weinen eines (einer) kummervollen Alten, spürt Zorn, Frust, aber ohne Selbstmitleid. Dann im Wahn, die Nüsse mit entblöster Brust, albern, ein Rumpelstilzchen. Schließlich zittrig inmitten der rohen Welt, erschrocken, kindlich, bemitleidenswert. Altersdement kehrt Lear in die Embryohaltung zurück.“
(Vasco Boenisch, Süddeutsche Zeitung)




KOMMENTAR VERFASSEN

Christoph Pohlt schrieb am 1. 4. 2010 um 02.22 Uhr

Stark. Von einer Intensität die man selbst als abgebrühter Theaterbesucher nur schwerlich zu ertragen vermag. Ich werde noch einige male reingehen.

Christopher Jahn schrieb am 27. 3. 2010 um 12.25 Uhr

Wer sich nicht vorinformiert und die klassische Aufführung eines klassischen Stücks erwartet, wird bereits nach einigen Minuten verwundert in seinem Theaterstuhl sitzen.
König Lear und die anderen männlichen Rollen des Stücks mit Frauen zu besetzen, mag der ein oder andere ja für modern halten, ich halte es für unpässlich und nicht authentisch. In der Pressestimme von C. Bos wird behauptet, dass es mit den Frauen in den männlichen Rollen „ebenso gut“ ja sogar „noch besser“ ginge. Dies hängt allerdings vom Erwartungshorizont ab. Wenn ich „König Lear“ buche, will ich auch, dass das Maskuline in seiner Form repräsentiert wird. Das Maskuline steht im Kontrast zum Femininen als etwas Spannendes. Warum musste es dekonstruiert werden? Einer Frau kreischender Hall ist etwas gänzlich anderes als eines Mannes tönender Tenor. Entscheidende Szenen des Stücks werden durch die geschlechtliche Einheitsbesetzung ins Groteske entfremdet, was ich nicht als kunstvoll sondern als peinlich und schade empfinde.
Noch fehlgeleiteter finde ich die Doppelbesetzungen in Gestalt der Herzöge und Königstöchter. Die Handlung wird wirr und für diejenigen, die sich nicht bereits tiefgreifend mit König Lear befasst haben, teils ganz unverständlich. Ein Vorteil in der Doppelbesetzung erschließt sich mir bei bestem Willen nicht. Die Königinnen im Hosenanzug können nicht gleichermaßen authentisch die Herzöge darstellen, dadurch wurde dem Stück etwas Wesentliches entzogen.
Hinzu kommt, dass neben dem krampfhaft Originellen auch ein paar fragwürdig komische Situationen auf der Bühne entstehen, an denen man sich das Lachen kaum verkneifen kann. Die daran entstehende Unernsthaftigkeit wirkt inadäquat für eine Tragödie von Shakespeare.

Schauspielerische Leistungen der Schauspielerinnen will ich keinesfalls in Abrede stellen, mein Missfallen an der Konstruktion des Stücks jedoch ganz deutlich bekunden. Um aber auch noch etwas Positives zu sagen: Die das Königreich repräsentierende Mauer fand ich eine sehr gelungene Idee.

Fabian H. schrieb am 4. 3. 2010 um 16.10 Uhr

Wahnsinn. Den Edmund habe ich für meine Schauspielvorsprechen gearbeitet und dadurch sowohl die Rolle selbst als auch das Stück als ganzes lieben gelernt.
Diese Interpretation war stellenweise deckungsgleich mit meinen Vorstellungen, etwa als sich Lear dem Sturm völlig hingibt oder mit Blumenkranz im Haar in absoluter Desillusionierung durch die Heide springt.
Danke! Eine wunderbare Arbeit aller Beteiligten. Demut und eigene, moderne Impulse fließen angenehm ineinander, sodass sich bereits klares, textlich vorgegebenes mit neuen Erforschungen der Handlung gut erschließen.
Es gibt einige Inszenierungen, denen die inszenierte Modernität etwas aufgedrungen scheint (zuletzt gesehen etwa an Stellen aus Lorenzaccio am Wiener Burgtheater).
Hier ist alles wohltemperiert, eine erfrischende Erforschung der Figuren, der Abgründe.
Danke auch für das Auslassen der Pause. Diese Inszenierung ist so dicht, die Leistung der Schauspieler so auf den Punkt gebracht, dass die Zeit im Flug vergeht. Ehe der Applaus beginnen konnte, brauchte ich erstmal einen kleinen Moment, das Gesehene sacken zu lassen.
Jederzeit wieder!

Peter Resemann schrieb am 2. 3. 2010 um 12.40 Uhr

Die Idee alle Figuren mit Frauen zu besetzen wirkt unbegründet und unangebunden. Das die Damen die Hälfte des Stücks barbusig über die Bühne laufen erscheint als unnötige und billige Effekthascherei, die von der Handlung ablenkt. Davon abgesehn ist die Inzenierung für den Zuschauer sehr anstrengend zu verfolgen. Das Gekreische ist teilweise nur mit größten Mühen zu verstehen. Eine Pause wird dem Publikum nicht gegönnt, böse Zungen behaupten, um keine Gelegenheit zur vorzeitigen Flucht zu geben. Auch die gute schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin kann diese fatale Inszenierung leider nicht retten.

theo schrieb am 27. 2. 2010 um 23.16 Uhr

Sehr anstrengend, aber großartig. Verstörend und aufregend! Die Besetzung toll und die Leistung der Schauspielerinnen sensationell.
Glücksmomente des Theaters in Köln, auch als ein Kommentar zum U-Bahn-Wahn und Abriss-Irrsinn dieser Stadt zu sehen - "wir können auch hier verrotten"! Vielen Dank.

Martin schrieb am 23. 1. 2010 um 22.48 Uhr

Diese Wucht hätten Männer nicht geschafft.

Es bedarf nur noch einem Wort zur Inszenierung und zu der schauspielerischen Leistung.

Danke!


Marika Prandl-May schrieb am 12. 1. 2010 um 21.43 Uhr

Obwohl uns die Handlung in groben Zügen bekannt war, war die Verwirrung groß. Wildes Gekreische auf der Bühne, viele Dialoge waren akustisch nicht zu verstehen. Mein Sitznachbar kommentierte die Veranstaltung schlicht mit "ein Martyrium", dem konnten wir leider trotz der schauspielerisch guten Leistungen nur zustimmen.

ilka kraugmann markus dederich schrieb am 2. 1. 2010 um 23.26 Uhr

Liebe Künstlerinnen,

ein paar Zeilen von zwei begeisterten TheaterbesucherInnen am heutigen Abend...

Es war ein fulminanter, intensiver, körperreicher und berührender Abend. Auch wir konnten am Ende nicht mehr.
Mit Respekt und großer Anerkennung für Eure Arbeit und die Energie, die Ihr in diese Inszenierung setzt, danken wir Euch herzlich. Es war schön und anstrengend zugleich, Euch bei der Arbeit zu zusehen und mitzufühlen.
Reich beschenkt, Ilka und Markus

E. Zemke schrieb am 28. 12. 2009 um 15.43 Uhr

Von "King Lears" großen Texten war in der 18. Reihe vielleicht noch ein Drittel mühsam zu verstehen. Der Rest ging unter in Matsch, Gekreisch und wirrem Personenwechsel - dazu ein nicht vorhandenes Bühnenbild. Trostlos.

Holger Hoffmann schrieb am 19. 12. 2009 um 18.34 Uhr

Ein ganz großes Kompliment an die Leistung der Schauspielerinnen! Alle sind sie großartig. Aber die Umsetzung hat mir persönlich nicht gefallen. "King Lear" ist ein wortgewaltiges Drama und die Figuren haben auch ohne große Handlung viel zu sagen. In dieser Inszenierung schimmert ab und zu etwas von der Sprachkraft des Stückes durch, aber Karin Beier legt den Fokus auf die Choreographie und durch die nicht authentische Erweiterung der Figurenprofile ins Alberne und Kindische, verlieren die Protagonisten ihre Glaubwürdigkeit und das Stück an Dramatik. So ist es am Ende ein visuell ambitioniertes Stück auf Kosten des Inhalts.

Mit freundlichen Grüßen,
Holger Hoffmann
Köln

Kölnerin schrieb am 7. 12. 2009 um 17.55 Uhr

Die Inszenierung ließ mich einigermaßen ratlos zurück. Ich kann noch nicht mal sagen, ob ich sie gut oder schlecht fand. Sicher ist es eine spannende Idee, alle Rollen mit Frauen zu besetzen, aber Shakespeare ist mit seinen vielen Nebenfiguren und teilweise komplizierten Handlungssträngen schon so verwirrend genug und wenn man nicht gerade den "Lear" auswendig kennt, ist man ein wenig ratlos, so schnell zu erkennen, wer sich jetzt gerade in wen verwandelt. In dieser Inszenierung ging mir das "Erzählen der Geschichte" doch etwas verloren und das Ganze wirkte wie skelettiert. Schade. Ist aber vielleicht auch Geschmackssache.




Stadt Köln Offenbachplatz / d-50667 Köln / t 0221-221 282 56 / f 0221-221 252 86 / info@schauspielkoeln.de / IMPRESSUM