DAS WERK / IM BUS (UA) / EIN STURZ (UA)

ELFRIEDE JELINEK
BESETZUNG


„Die Baustelle ist ein Kampfplatz, beinahe ein Krieg“, heißt es zu Beginn in Elfriede Jelineks »Das Werk«. Doch nicht um den Krieg zwischen Mensch und Mensch solle es gehen, behauptet ein „Geißenpeter“, sondern um den Krieg zwischen Mensch und Natur.
Wer diesen Krieg gewinnen wird, ist selbstverständlich, und so geistern ganze Heerscharen von Toten durch das Stück: Zwangsarbeiter des NS-Regimes, die beim Bau des gigantischen Wasserkraftwerkes in den Kapruner Alpen umkommen, verunglückte Bauführer und Arbeiter, die das Werk in den fünfziger Jahren fortsetzen, tote Bergsteiger und Skifahrer, die beim Gletscherbahnunglück von Kaprun 1999 im Tunnel verbrennen.
»Im Bus« erzählt von einem Verkehrsunfall, verursacht durch Pfusch und zweifelhafte Ingenieurarbeit beim U-Bahn Bau. Drei Menschen sterben. Und auch im letzten Teil der Trilogie, »Ein Sturz«, mündet das Duell Natur versus Technik ins Unrettbare. Wieder sterben Menschen, dazu kommen andere katastrophale Verluste.
„Was wissen wir von unserem Werk, und wie stehen wir dazu?“ fragen sich die Lebenden und müssen feststellen, dass nicht nur der Ehrgeiz, Staudämme, Tunnel oder hohe Häuser zu entwerfen, den „faustischen Menschen“ abstürzen und diese prächtigen Werke unter Druck wie Kartenhäuser zusammenbrechen lässt. Es ist ebenso die Vermessenheit der Herrenmenschen, ihre Verantwortungslosigkeit gegenüber ihrem Werk und ihren Untergebenen, die die Baustellen zum Krieg auch zwischen Mensch und Mensch werden lassen.
Karin Beier inszeniert zur Eröffnung der Spielzeit 2010/11 und der neuen Interimsspielspielstätte EXPO diese wütenden, traurigen und zugleich sehr komischen Abgesänge Elfriede Jelineks auf die menschliche Hybris.




KOMMENTAR VERFASSEN



Stadt Köln Offenbachplatz / d-50667 Köln / t 0221-221 282 56 / f 0221-221 252 86 / info@schauspielkoeln.de / IMPRESSUM