ANTON TSCHECHOW
EINE KOMÖDIE
Die Schulden wachsen ins Unermessliche, das Erbe ist bedroht, jeder weiß es, aber gelähmt von alten Erwartungen ans Leben und wenig rosigen Zukunftsaussichten, werden die Hände in den Schoß gelegt. Zum Schluss wird mit Axthieben die alte Welt zerstört. »Der Kirschgarten«, Anton Tschechows letztes Stück, ein halbes Jahr vor seinem Tod geschrieben, zeigt diesen großartigen Menschenkenner auf der Höhe seines Könnens. Wir lernen kennen: Ranjewskaja und ihren Bruder Gajew, hoch verschuldete Besitzer eines alten Landguts mit legendärem Kirschgarten, die in Erinnerung ihrer heilen, in Wohlstand und Sorglosigkeit verbrachten Kindheit, alle Rettungschancen verpassen. Den jungen, erfolgreichen Geschäftsmann Lopachin, der das Gut kaufen und abreißen wird und sich dennoch seines Sieges nicht freuen kann. Die Kinder und Angestellten der Familie. Sie alle laborieren an der gleichen Krankheit: Es fehlt an befriedigenden Zukunftsperspektiven, auch an Liebe, aber das Leben geht weiter. Man redet, man seufzt, man lacht, man weint und lässt fatalistisch die kleinen und großen Katastrophen geschehen. „Unser Leben ist ziemlich idiotisch“, sagt Lopachin, und tatsächlich ist derartiges Unglück komisch und tragisch zugleich. »Der Kirschgarten« zeigt, wie die Geschichte gnadenlos über Men-schen hinweggehen kann, die nicht nach vorne zu schauen wagen und damit gerade das verlieren, an dem sie am meisten hängen. Unübertrefflich ist Tschechows Menschen- und Welttheater – eine absurde Komödie, eine Farce, die unerbittlich wäre, wenn es nicht seine große Liebe zu den Menschen gäbe.
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