ROMAN FÜR EINE STADT (ARBEITSTITEL)

GESINE DANCKWART
RECHERCHE AN EINEM PLATZ OHNE NAMEN


Warum landet man irgendwo, warum bleibt man, warum verlässt man, warum ist man nie weggewesen.

An der Krefelder Straße, Kreuzung Aquino- und Balthasarstraße. Ein Platz wie ein extra gebauter Spielort, und dabei zu unbedeutend für einen eigenen Namen. Eine unauffällige Nische, Öffnung der etwas öden Häuser-front, die sich erst auf den zweiten Blick als Platz erkennbar zeigt. Fünfziger Jahre Eckhäuser, um ein kleinst-mögliches Platzzentrum herum. Vom Quadrat der Bänke Blick auf die Häuserfronten und zurück. Zwei Gast-stätten, eine zu den »Gezeiten« und die andere »zur Linde«, ein Döner »Balthasar«. Und ein Kiosk, mit allem, was man kurzfristig brauchen kann. Ein Friseurladen in beige vertrocknet, aber mit englischem Werbebanner »Family Hair«, und die Kirche St. Gertrud, architektonisch preisgekrönt, aber von der Gemeinde nicht wirklich angenommen. Von oben, schauen Sie mal in Google Maps nach, wie ein Blitz.
Mit diesem Projekt bewegen wir uns aus dem Theater in den öffentlichen Stadtraum – auf der Suche nach Ge-schichten und Geschichte, Alltag und aus dem Alltag geborenen Utopien – letztendlich nach der Theatralität des Realen. Für diese Realkulisse wird ein Stück entwickelt. Die Figuren werden von Schauspielern gespielt, unterstützt von Anwohnern. Das Material changiert ständig zwischen dokumentarischer Realität, Verfremdung und ästhetischer Überhöhung. Die Zuschauer wandern um den Platz herum, durch Wohnungen, durch die Gebrauchsorte und durch die Kirche. Sie können sich Geschichten über Audiogeräte herunterladen – jeder erlebt seine eigene Dramaturgie, seine eigenen Schlüsselszenen. Roman einer fremden Stadt.




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