Ausgezeichnet mit dem Theaterpreis DER FAUST

DAS GOLDENE VLIES

FRANZ GRILLPARZER
Der Gastfreund – Die Argonauten – Medea
BESETZUNG


»Das Goldene Vließ«, an dem Grillparzer von 1818 bis 1820 schrieb, ist ein dramatisches Weltgedicht, das über die private Tragödie Medeas weit hinausweist. Es geht um die katastrophale Begegnung zweier Kulturen, um die Unfähigkeit der Menschen, mit Fremden friedlich zu koexistieren. Im »Gastfreund« bittet der Grieche Phryxus, der aus seiner Heimat flüchten muss, Aietes, den König von Kolchis, um Asyl und freundliche Aufnahme. Er beschenkt Aietes nicht nur mit Gold und anderen reichen Gaben, er übergibt ihm auch ein goldenes Widderfell – das Vließ, das er in Delphi einer Gottesstatue abgenommen hat. Aietes misstraut dem Fremden, heuchlerisch lädt er ihn zum Gastmahl ein. Nachdem er ihn entwaffnet hat, ermordet er Phryxus, der sterbend Aietes, seine Familie und sein Volk für die Missachtung des Gastrechtes verflucht. Im zweiten Teil der Trilogie landen wieder Griechen in Kolchis. Unter der Führung von Jason, einem Königssohn aus Jolkos, wollen die »Argonauten« – benannt nach ihrem Schiff Argo – den Tod des Phryxus rächen und das Goldene Vließ zurück nach Hellas bringen. Aietes sucht Hilfe bei seiner Tochter Medea, die mit zauberischen Kräften begabt ist. Medea verspricht, den Kampf gegen die Griechen zu unterstützen – bis Jason vor ihr steht. Wie vom Blitz getroffen fühlt sie sich von dem Fremden angezogen. Auch Jason verliebt sich in Medea und will sie als Braut in seine Heimat führen. Als er sie und das Vließ auf sein Schiff bringen will, stellt sich ihm ihr Bruder in den Weg. Jason will sich mit ihm freies Geleit von Aietes erpressen. Daraufhin stürzt sich Medeas Bruder von der Klippe in den Tod. Aietes bricht am Ufer zusammen. Der letzte Teil der Trilogie erzählt vom grausamen Ende der Liebe von Jason und »Medea«; seit Euripides ist diese Geschichte weltberühmt. Jahrelang irren beide durch Hellas, immer wieder werden sie vertrieben, weil die Griechen Angst vor den »Künsten« der »Barbarin« haben und Jasons Verbindung mit ihr nicht akzeptieren. Endlich bitten sie bei Kreon, dem König von Korinth, um Asyl. Kreon, der Jason von Jugend auf kennt und schätzt, räumt zunächst beiden das Gastrecht ein. Trotzdem entspannt sich die Lage nicht. Jason flirtet mit Kreusa, der Tochter Kreons. Die Situation eskaliert…

»Nimm Sieg und Rache hin!« unter dieser Losung glaubte Phryxus einst das Vließ vom Gott erhalten zu haben. Den destruktiven Sinn dieser Losung buchstabiert Grillparzer in seinem Trauerspiel bis zum bitteren Ende durch. Er zeigt, wie brüchig unsere Selbstbilder und Wahrnehmungen des Anderen sind: Zivilisation und Barbarentum, Kultur und Natur sind nur zwei Seiten derselben menschlichen Natur. Ein Stück über die Tragödie des Lebens, wenn wir uns begegnen und verfehlen.

Pressestimmen:
„(…) Wie ein Märchen aus ferner, fremder Zeit beginnt der Abend. Die Vorgeschichte vom Raub des goldenen Vlieses wird mit Masken, ruckelnden Bewegungen und hölzernem Sprachduktus als menschliches Marionettentheater erzählt. Die vorherrschenden Farben bleiben den ganzen Abend Schwarz und Weiß – in einer Welt, die nur Freund oder Feind kennt. Es ist, als zoomte sich die Aufführung von einem stark gerafften Intro bis zum großen, feinporigen Finale an die Tragödie, an die Menschen, an ihre Zwiespälte heran.“

„Auf weniger als drei Stunden haben Karin Beier und ihre Chefdramaturgin Rita Thiele das Opus verdichtet, es mit scharfem Sinn auf den menschlich-universalen Kern reduziert. Alle Nebenfiguren sind gestrichen, vier Schauspieler verkörpern die sieben Hauptcharaktere.“

(Süddeutsche Zeitung, Vasco Boenisch)

„Karin Beier übertrifft mit ihrer nunmehr dritten Neuinszenierung sich selbst. Franz Grillparzers ausladendes Weltgedicht „Das goldene Vlies“ verdichtet die Regisseurin zu einem hochkonzentrierten und intimen Kammerspiel für ein Schauspielerquartett, prägnant, logisch, mit nicht nachlassender Spannung, kurzum: grandios.“
(Rheinische Post, Regine Müller)

„Faszinierend, wie Karin Beier durch verfremdete Gestik und bedrohliche Geräusche (Cello: Sue Schlotte) Grillparzers Trilogie seine Fremdheit bewahrt. Und sie zugleich mit einem Spiel von bedrängender körperlicher und emotionaler Unmittelbarkeit an den Zuschauer heranholt. (…) Radikal und doch in der Gegenwärtigkeit des Archaischen so aktuell, dass man diesen Abend lange nicht vergessen wird.“
(Westdeutsche Zeitung, Hans-Christoph Zimmermann)

„Man muss lange zurückdenken, um sich einer ähnlich imponierenden Aufführung am Kölner Schauspiel zu erinnern (…) Gleich in ihrer ersten Spielzeit hat Karin Beier, auch weil sie die erste Regisseurin des Hauses ist, ein kleines Wunder vollbracht. Das Theater hat sich zurückgemeldet und bildet wieder die Mitte der Stadt.“
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Rossmann)

„Die dreistündige Inszenierung arbeitet prägnant mit Verweisen und Leitmotiven, Chiffren und Zeichen, die das Mythenmaterial zusammenfügen, es filtern, verdichten und einer unmittelbar wirkende Intensität und Intimität entwickeln: (…) Es ist – in ihrer Hochgespanntheit, souveränen Intelligenz, ästhetischen Stringenz und psychologischen Reife . überhaupt Beiers bislang beste Arbeit.“
(nachtkritik, Andreas Wilink)




KOMMENTAR VERFASSEN

wif schrieb am 19. 1. 2010 um 01.06 Uhr

Sie haben den Cellotrick von der "Seite" genommen? Ist nicht wahr!

Daniel schrieb am 9. 12. 2009 um 17.03 Uhr

Carlo du hast einen neuen Fan. Das mit der Doppelbesetzung bei den Bewegungsszenen hat fantastisch funktioniert! Danke.

Bea schrieb am 28. 11. 2009 um 22.20 Uhr

ich gratuliere Karin Beier und ihrem tollen Ensemble von "das goldene Vlies" zum deutschen Theaterpreis! :-)
Und ich möchte ihr auch für ihr Statement, das sie bezgl. des Neubaus des Schauspielhauses in Anbetracht der finanziellen Situation machte danken.

Dr. Ralf ALtmeyer schrieb am 24. 11. 2009 um 00.25 Uhr

Ich habe das Stück 21.11.2009 gesehen und bin nachhaltig begeistert von der Wucht der Inszenierung. Eine grandiose Besetzung, trotz einiger weniger "Verhaspler" von Carlo Ljubek, der ansonsten aber einen überzeugenden und trotz Knieverletzung sehr physischen Jason gibt.
Maria Schrader ist eine schauspielerische Naturgewalt, ihre Leistung vor allem im dritten Teil schon fast beängstigend real, die Leiden der Medea für den Zuschauer nahezu körperlich spürbar. Meinen große Hochachtung und herzlichen Glückwunsch zu dieser Aufführung.

Viele Grüße,
Ralf Altmeyer

katja heinrich schrieb am 19. 11. 2009 um 21.39 Uhr

super! spätestens jetzt weiß jeder,der sich nochmal den inhalt durchliest,das ein unechtes cello zerdeppert wirde...

H. Spilruum schrieb am 8. 11. 2009 um 10.08 Uhr

Ich Unwissender hielt die Schauspielerin Patrycia Ziolkowska während und nach der ersten Spielhälfte tatsächlich für einen Jungen. Erst innerhalb der zweiten Hälfte dämmerte in mir allmählich die entzückende Erkenntnis, und ich muss gestehen, ich war (und bin immer noch etwas!) verliebt. Solche Momente sind unbezahlbar und unvergesslich.
Schade finde ich, dass ich bereits las, dass es sich um ein unechtes Cello handelt welches zerschlagen wurde; ich hoffe, diese ent-täuschende Wahrheit verbreitet sich nicht allzu rasch.
Was mich nun noch interessiert: Inwiefern war die gestrige Aufführung eine Abwandlung der Premiere (der ich leider nicht beiwohnte)?

Vielen Dank für dieses begeisternde Stück!
SCHAUSPIEL KÖLN: Wir freuen uns, dass Ihnen „Das goldene Vlies“ so gut gefallen hat. Die Inszenierung ist, wie sie selbst gesehen haben, sehr physisch. Wie auch der Ansage zu entnehmen war, konnten einige Szenen aufgrund der Knieverletzung von Carlo Ljubek nicht so körperlich gespielt werden, wie eigentlich vorgesehen. Dies führte dazu, dass im Zusammenspiel mit den anderen Schauspielern die Choreografie verändert werden musste.

Ihrem Hinweis auf den Cellotrick gehen wir nach, indem wir die entsprechenden Texte von unserer Website nehmen. Herzlichen Dank und beste Grüße, Ihr Schauspiel Köln

Stefan Herok schrieb am 28. 5. 2009 um 20.11 Uhr

Ich habe das Stück dieser Tage in den Wiesbadener Maifestspielen gesehen und dem Intendanten M. Beilharz schon persönlich dafür gedankt, es nach Wiesbaden geholt zu haben! Ich war begeistert! Wie von Peymanns Frühlingserwachen (Wedekind) und sonst lange lange nicht mehr! Zum Teil amüsiert, aber auch mit viel Zustimmung habe ich nun hier die Kommentare gelesen! Besonders der mit dem Cello ist wirklich "süß"! Ich habe einen Theaterabend der Extraklasse erlebt, wundervolle "Verdichtung und Beschleunigung" in Dramaturgie, Sprache, Bild und Spiel, gleichzeitig existentielle Tiefe! Klasse klassisches Theater von höchster Aktualität und Modernität (oder umgekehrt, wie Sie wollen). Glückwunsch!

Thomas schrieb am 17. 4. 2009 um 21.46 Uhr

Ich fand das Stück auch sehr gut. Und besonders die Masken gefielen mir gut. Ein wenig entäucht war ich später in einem grandiosen Bildband ein identisches Maskenbild in einer Fotografie aus den 80er Jahre zu entdecken.

Nina Hundhausen schrieb am 24. 1. 2009 um 14.06 Uhr

Toll! Das Beste, was ich seit Langem gesehen habe. Großartige Inszenierung, tolle Besetzung, fantastische Maria Schrader. Ich konnte, im Gegensatz zu Herrn Hennemann alles verstehen. Akustisch (ich saß allerdings relativ weit vorn) und inhaltlich - und ich hatte vorher kein Medea-Seminar besucht, muss allerdings gestehen, dass ich natürlich die groben Umrisse des antiken Stoffs kannte. Aber ich denke, dass selbst wenn man in völliger Unkenntnis des Stoffs das Stück gesehen hat, man sich von Sprache, Dramatik, Zusammenspiel der Figuren, Choreografien etc ansprechen lassen konnte. Hier wurde ein antiker Stoff in einer Bearbeitung des 19. Jahrhunderts so lebendig und aktuell gestaltet, so nah gebracht, dass ich sowohl zur Pause, als auch am Ende dachte: "Schade, schon vorbei."

Veit Hennemann schrieb am 17. 1. 2009 um 22.16 Uhr

Ich bin der Meinung, wenn ich ins Theater gehe muss ich ein Stück verstehen, ohne vorher ein Seminar besucht zu haben. Durch die schlechte Akustik an meinem Platz habe ich noch nicht einmal das Gesprochene einwandfrei versthen können. Daher habe ich das Schauspielhaus in der Pause verlassen.
SCHAUSPIEL KÖLN: Sehr geehrter Herr Hennemann,



es ist natürlich bedauerlich, dass Sie die Vorstellung vorzeitig verlassen haben. Was die Akustik anbelangt: Diese Schwierigkeiten liegen weniger an unseren Schauspielern, sondern an der bekanntermaßen misslungenen Akustik des Zuschauerraumes (einer der vielen baulichen Mängel, die die Entscheidung der Stadt, das Haus in absehbarer Zeit abzureißen und ein neues Schauspielhaus zu bauen begründen). Was das inhaltliche Verständnis anbelangt, weiß ich Ihre Anmerkung nicht wirklich zu deuten und damit zu beantworten. Aber Vielleicht hängt diese Schwierigkeit ja aber auch mit der Akustik zusammen? Jedenfalls vielen Dank für Ihre Rückmeldung und hoffentlich enttäuschen wir Sie das nächste Mal nicht wieder.



Mit freundlichen Grüßen,

Rita Thiele

Hauke Ciba schrieb am 8. 1. 2009 um 11.19 Uhr

Das war toll! Die Idee mit den großen Masken, die Choreographie der Begegnungen, das Spiel der Cellistin, die Schauspieler und -vor allem- Schauspielerinnen, die Lust, Liebe, Trauer, Verzweiflung:
Ich bin tief und nachhaltig beeindruckt.

Helga schrieb am 26. 6. 2008 um 07.42 Uhr

Von der Vorstellung am 24.6. war ich begeistert. Maria Schrader war eine überzeugende Medea, die die Entwicklung der Persönlichkeit hervorragend gemeistert hat.

Astrid Eichstedt schrieb am 25. 6. 2008 um 11.35 Uhr

Der Begeisterung einiger Vorredner kann ich mich leider nicht anschließen. Ich fand die Vorstellung am 24.6.08 solide inszeniert und solide gespielt. Doch meiner Ansicht nach ist es nicht gelungen, Grillparzers Text wirklich lebendig werden zu lassen. Die vor allem im ersten Teil wirksame Choreographie, fand ich gut und plausibel, doch ich wünschte mir, wie so oft in deutschen Theatern, durchgängig mehr Lebendigkeit und Lockerheit in der Bewegung.

Clemens Zahn schrieb am 24. 5. 2008 um 23.35 Uhr

Ein grandioser Theaterabend, (vor allem)der zweite Teil war das intensivste, mitreissenste und bewegenste, das ich in 20 Jahren im Schauspielhaus gesehen habe. Eine wunderbare, konzentrierte Inszenierung. Das Ensemble war großartig, Maria Schrader einfach überwältigend!
Liebe Frau Beier, liebes Ensemble, Sie haben uns Zuschauer reich beschenkt!
Clemens Zahn

Rosemarie Behrens schrieb am 24. 5. 2008 um 23.31 Uhr

nach einigen jahren war ich heute das erste mal wieder im kölner schaupielhaus.
von anfang an war ich "gefangen".
großartige inszenierung, choreographie, licht und bühnenbild sowie wunderbare schauspielkunst.
theater pur im allerbesten sinne!
das macht mir viel lust, wieder - nach jahrelanger "theaterödnis" in köln - die stücke im schauspiel köln zu besuchen!
dank an alle, die daran und darin mitwirken!
r. behrens

lautlos schrieb am 13. 5. 2008 um 19.32 Uhr

selten so im schauspielhaus gelangweilt! der text ist viel zu schwülstig und unecht. die inszenierung uninspiriert und zum gähnen. schon nach 30 minuten guckte ich das erste mal auf die uhr.
leider.

Anna schrieb am 9. 5. 2008 um 09.22 Uhr

Liebe Frau Beier, liebes Ensemble!
"Das goldene Vlies"-Premiere war großartig, ich danke allen Beteiligten für einen Theaterabend der Extraklasse.




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