
MULTIPLE AUTORENSCHAFT
Vom Leben eines einzelnen, gemeinen Menschen zu erzählen,
ist mehr wert als der ganze Goethe
BESETZUNG
Was steckt hinter den Anderen? Hinter den Gesichtern und Gesten. Wer sind diese Menschen, die uns täglich kurz begegnen? In der U-Bahn und im Supermarkt. Welches Leben führen sie, wenn sie aus unserem Blick geraten? Wie unterscheiden wir uns? Was macht uns einzigartig? Der lettische Regisseur Alvis Hermanis schickte zwei Schauspielerinnen und zwei Schauspieler auf die Suche nach vier Menschen aus dem Kölner Leben. Möglichst normale, alltägliche Menschen, wie du und ich. Über einige Monate begleiteten die Schauspieler deren Leben, lernten sie kennen und setzten sich so mit Lebensgeschichten auseinander, die in der Öffentlichkeit sonst nicht vorkommen. Es zeigt sich, wie komplex die Leben der Einzelnen sind, denn nicht das Allgemeine, sondern das Spezielle bildet den Kern der Existenz. Es zeigt sich auch, wie wichtig das Zuhören ist, welche Kraft sich daraus entfaltet und wie wenig es heute gepflegt wird. Im Nichtmehrzuhörenkönnen liegt die Härte. Davon weiß das Theater. Jedes genauere Hinhören vergrößert die Vielfalt. Die Persönlichkeit der Schauspieler verschmilzt in der Inszenierung allmählich mit den Geschichten und bringt so neue Welten hervor, die sich in einer Sprache äußern, die sonst auf dem Theater wenig Gehör findet, weil dort oft nur mehr das Geronnene verhandelt wird und jedes Einzelschicksal in die Gesellschaft hineinreichen soll. Dagegen richtet sich dieser in hohem Maße theatralische Vorgang. Zurück auf Anfang. Ausgang ungewiss.
Pressestimmen:
„Lebensläufe, Schicksale und Existenzen, die der Öffentlichkeit verborgen bleiben, werden aus der Anonymität des Alltags geschält: ‚Vom Leben eines einzelnen, gemein Menschen zu erzählen ist mehr wert als der ganze Goethe’, verheißt selbstironisch das Motto.(…) Kindheitsmuster, Beziehungsgeschichten, geplatzte Träume. Wie davon, im springenden Wechsel und von Schnulzen scharniert, erzählt wird, wie die Schauspieler sich in die Figuren einfühlen und sie ausfüllen, vermag lange zu interessieren und mitunter auch zu rühren.“
(Frankfurter Allgemein Zeitung, Andreas Rossmann)
„Großes Theater, das von tiefer Humanität geprägt ist, weil es abseits von allem, was uns Werbefuzzis, Quotenjäger oder Stimmviehzüchter weismachen möchten, zeigt: Ausnahmslos jeder Mensch ist ein Individuum, das seine eigene Größe und Würde besitzt. Äußerst unterhaltsam ist das Ganze auch, und es treten Personen auf, die Ihnen noch heute im Supermarkt begegnen können.“
(Kölnische Rundschau, Hans-Willi Hermans)
„Bei jeder Episode geht es, so oder so, um alles oder nichts. Bruchstellen gibt’s reichlich. Gefühlsknoten schlingen sich, Schmerzwellen kommen und gehen. Zwar hat man nie den Eindruck einer Verlegenheitslösung, wohl aber den des harmlos Unverbindlichen, auch wenn sich Motivketten zwischen den im Wechsel vorgetragenen Geschichten ziehen, Familiäre Strukturen und Konflikte von Mann und Frau, Verlust und Trennungen sind halt zentrale Gelenkstellen, Man schaut und hört einem Drama zu: nur, dass zuerst der Mensch kommt und danach der Schauspieler.“
(K-West und Theater heute, Andreas Wilink)
„Wie man das Leben auf die Bühen bekommt, und was man dann eigentlich damit anfängt – das sind die Fragen, die (…) Alvis Hermanis und seine Kölner Schauspieler (…) beschäftigt haben. Alvis Hermanis „Kölner Affäre“ arbeitet mit realen Biographien. Anders als beim Dokutheater à la Rimini Protokoll gibt es kein übergeordnetes Thema; es genügt, die Geschichten von vier Menschen, die in Köln leben, zu erzählen. In diese Stadt wurden sie gesucht und gefunden, monatelang begleitet und befragt von Schauspielern des Ensembles, die sie auf der Bühen verkörpern.“
(Süddeutsche Zeitung, Vasco Boehnisch)
KOMMENTAR VERFASSEN
Michael Schmitz schrieb am 3. 2. 2010 um 11.44 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren,
nachdem mir \"Die Geheimnisse der Kabbalah\" sehr gut gefallen hat, frage ich mich, ob die \"Kölner Affäre\" wiederaufgenommen wird, da ich die Inszenierung noch nicht gesehen habe.
Mit freundlichen Grüßen,
Michael Schmitz
SCHAUSPIEL KÖLN: Sehr geehrter Herr Schmitz, es freut uns sehr, dass Ihnen "Die Geheimnisse der Kabbala" so gut gefallen hat. Leider wird die "Kölner Affäre" nicht mehr in dieser Spielzeit wiederaufgenommen. Herzliche Grüße, Ihr Schauspiel Köln
Kölnerin schrieb am 13. 4. 2009 um 10.49 Uhr
Wirklich anrührend, witzig, traurig, realistisch. Ich frage mich, wie das für die "echten" Vorbilder der Charaktere war, sich selbst plötzlich auf der Bühne dargestellt zu sehen? Ilknur Bahadir war sehr anrührend und "ihre" Geschichte brachte mich fast zum Weinen. Die anderen DarstellerInnen waren jedoch nicht weniger berührend. Es sind eben nicht nur König Lear und Maria Stuart, deren Geschichten es wert sind, erzählt zu werden. Außerdem ist die Inszenierung von großer Warmherzigkeit und viel Menschenliebe geprägt.
Franz Seber schrieb am 17. 3. 2009 um 16.41 Uhr
Ich habe das Stück gestern als Gastspiel in Berlin gesehen und bin immer noch total begeistert. Die Realität lässt sich eben am besten aushalten wenn sie von tollen Schauspielern leicht überhöht nachgespielt wird. Dann lacht man und weint. Großartig.
Dirk Weisbrod schrieb am 14. 4. 2008 um 20.41 Uhr
Warum hat dieses Stück so wenige Kommentare. Es hat doch so unendlich viele - positive - verdient. Von der Idee, über die Inszenierung bis zu den Darstellern eine imponierende Leistung.
Die Idee, Einwohner unserer Stadt und ihre Geschichten auf die Bühne zu bringen ist nicht nur originell sondern sorgt auch für einen kurzweiligen Theaterabend. Die Möglichkeit, den Schauspielern bei der Verwandlung in ihre Figur zuzuschauen ist beeindruckend, weil dadurch Schauspielkunst in ihren Wurzeln erfahrbar wird - nämlich so zu spielen, dass wir durch den Spieler auf einen anderen Menschen schauen.
Besonders beeindruckend Markus John, dem es gelang, seine Figur - einen gealterten Zuhälter - auf eine Gradwanderung zwischen Komödie und Tragödie zu schicken. Aber auch die anderen Darsteller standen dem nur wenig nach.
Alvis Hermanis scheint mir ein innovativer und beachtenswerter Regisseur zu sein, der hoffentlich einmal wieder die Gelegenheit bekommt in Köln zu inszenieren.
Christa Baisch schrieb am 5. 4. 2008 um 22.47 Uhr
ich fand alle vier Schauspieler großartig und besonders die Idee für dieses Stück, die Idee ist perfekt.
Vielen Dank für diese Inszenierung.
Christa Baisch
Hauke Ciba schrieb am 4. 4. 2008 um 10.18 Uhr
Ein interessantes Stück, und gut inszeniert, vor allem in der 2ten Hälfte. Der erste Teil ist in meinen Augen recht deutlich zu lang geraten, aber das ist auch der wesentliche Kritikpunkt. Da eine halbe Stunde weniger, und das Stück ist hervorragend, vor allem dank der tollen Schauspieler, bei denen vor allem Markus John und Ilknur Bahadir schlicht großartig sind.
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