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TRAILER
ISAAC BASHEVIS SINGER
BESETZUNG
Wenn der EINE etwas Schwieriges zu erledigen hatte, irgendein geheimes Werk zum Nutzen der Geschöpfe, so ging er an eine bestimmte Stelle im Wald, zündete ein Feuer an und sprach Gebete – und alles geschah, wie er es sich vorgenommen hatte. Wenn eine Generation später der NÄCHSTE dasselbe zu tun hatte, ging er an jene Stelle im Wald und sagte: „Das Feuer können wir nicht mehr machen, aber die Gebete können wir sprechen“ – und alles ging nach seinem Willen. Wieder eine Generation später, sollte der ÜBERNÄCHSTE jene Tat vollbringen. Auch er ging in den Wald und sagte: „Wir können kein Feuer mehr anzünden, und wir können auch die Gebete nicht mehr sprechen; aber wir kennen den Ort im Wald, wo all das hingehört, und das muss genügen.“ – und: Es genügte. Als aber wieder eine Generation später der ÜBERÜBERNÄCHSTE jene Tat zu vollbringen hatte, da setzte er sich in einen Stuhl und sagte: „Wir können kein Feuer machen, wir können keine Gebete sprechen, wir kennen auch den Ort nicht mehr, aber wir können die Geschichte davon erzählen.“ Und seine Erzählung allein hatte dieselbe Wirkung wie die Taten der drei anderen.
Alvis Hermanis montiert in seiner zweiten Arbeit in Köln vier Erzählungen des Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer. Nach der »Kölner Affäre« setzt Hermanis mit den »Geheimnissen der Kabbala« seine Suche nach einem Theater fort, das sich mehr für das Leben als für sich selbst interessiert, das das Erzählen untersucht und genau zwischen Affekt und Emotion unterscheidet. Singers Protagonisten sind im Ostjudentum verwurzelt; ob ein kleines, jüdisches Dorf in Polen, ob Warschau oder New York. Sie sind meist so voll von Ereignissen, dass man diese leicht überliest: sie handeln nicht vom Handeln, sondern vom Hören und Erinnern. Singer wurde 1904 in Radzymin in Polen geboren und wuchs in Warschau auf. Er wurde traditionell jüdisch erzogen und besuchte das Rabbinerseminar. Mit 22 Jahren begann er für eine jiddische Zeitung zu schreiben, zunächst auf hebräisch, dann auf jiddisch. 1935 emigrierte er in die USA und erhielt 1978 den Nobelpreis für Literatur. Er starb 1991 in Miami.
Pressestimmen:
„Die Geheimnisse der Kabbala werden sorgsam gehütet - ein Mann darf nicht vor dem 40. Lebensjahr eingeweiht werden, erfahren wir in Alvis Hermanis’ gleichnamiger Inszenierung. Es ist nicht eigentlich ein Theatertext, den der 44-jährige Regisseur auf die Bühne bringt, sondern eine Adaption von vier Kurzgeschichten des Literaturnobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer (1902-1991) (…). Hermanis lässt seine Schauspieler ein erzählendes Erinnern auf die Bühne bringen.“
(Kölnische Rundschau, Sandra Nuy)
„Biographien, wie es sie nicht mehr gibt, werden plastisch, Charaktere von fast biblischer Vorbestimmtheit, Zeugen einer untergegangenen Welt. Alvis Hermanis beschwört sie nicht pathosselig herauf, sondern lässt sie wie Kerzen aufflackern. Nach knapp zwei Stunden sind die Koffer auf dem Gepäckband alles Mögliche gewesen: Schränke, Verstecke, Öfen, Särge, Grabsteine. Was dazu an Kostümen, Bärten und Puder ausgepackt wird, ist der jüdischen Maskerade zu viel, und doch gerät die musikalisch grundierte Aufführung zu einer Liebeserklärung an die Phantasie, in der sich das Staunen über die assoziative Theatersprache und das Innewerden über den Verlust des Chassidismus zu einer auflösbaren Melancholie verschränken.“
(FAZ, Andreas Rossman,)
„Ein Abend der Emotionen und der Assoziationen, der die Zuschauer immer wieder fesselt und rührt, aber auch unterhält – selbst wenn so manches Detail mit unserer nüchternen Logik von heute nicht zu erfassen ist. Dämonen und irrationale Glaubenssätze verwirren nicht. Alles fügt sich zu einem Gesamtbild zusammen.“
(Theater pur, Antje van Bürck)
„Poetische Bilder, mystischer Realismus und sagenhafte Wandlungsfähigkeit der Darsteller lassen den Abend zu einer prallen Collage jüdischen Schicksals aufflammen, unter der Regie von Alvis Hermanis, dem eine detailreiche Zeichnung von Erfahrungen und Gefühlen am Herzen liegt.“
(Österreich, Anna Mika)
„(…) Menschen, ungewöhnlich, rätselhaft und kraftvoll, sind natürlich großartige Gegenstände für den Prozess der Annäherung und Identifikation, den Hermanis und seine Darsteller, Ilknur Bahadir, Markus John, Anja Lais und Martin Reinke spannend und facettenreich entwickeln. Der Abend ist schauspielerisch unbedingt sehenswert. Es gibt auch Bilder, die starke assoziative Verbindungen herstellen zum Thema, die sich vielleicht nicht unbedingt logisch aufschlüsseln lassen, aber emotionale Kräfte freisetzen. Die ganze Bühnensituation mit den Koffern gehört dazu, die immer die Gedanken von Flucht und Lager mitschwingen lässt.“
(nachtkritik, Ulrike Gondorf)
KOMMENTAR VERFASSEN
jokaste schrieb am 17. 5. 2009 um 16.01 Uhr
Ich fand, dass gerade die wunderbare Musik von Satie wie auch die Amy-Winehouse-Songs sehr zur Atmosphäre dieses sehr gelungenen und berührenden Theaterabends beigetragen haben!
Darian schrieb am 8. 5. 2009 um 09.57 Uhr
Ein ehrlicher Abend, bei dem es mir leicht fällt die am Ende gestellte Frage im Sinne Martin Reinkes zu beantworten. "Ich mag Geschichten, sogar sehr!" Ehrlich, weil dieser Abend genau das wollte: Geschichten erzählen.
Beeindruckend: Nach einer guten halben Stunde sieht man nicht mehr das Gepäckband des Flughafens vor sich, sondern wird auf Markt- und Kriegsschauplätze, in Dörfer und auf Friedhöfe entführt, die diese vier großartigen Schauspieler durch ihre Kunst (und ein paar Requisiten) vor dem geistigen Auge entstehen lassen.
Das ganze abgerundet durch die ehrliche Freude der Akteure beim Schlussapplaus darüber, dem Publikum einen wirklich sehr schönen Abend bereitet zu haben. Danke.
Renate Franz schrieb am 8. 5. 2009 um 08.27 Uhr
Ein begeisternder Theaterabend, für mich das tollste Erlebnis der Spielzeit, fesselnd und faszinierend.
Allein die ständige Musik im Hintergrund fand ich störend und nervig, so dass ich mir nach anderthalb Stunden das Ende leider herbeiwünschte. Kam mir vor wie im Kaufhaus ;)
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