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08.01.2010

Halle Kalk

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03.05.2010

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DIE SCHMUTZIGEN, DIE HÄSSLICHEN UND DIE GEMEINEN

ETTORE SCOLA UND RUGGERO MACCARI
Eine bemerkenswert mitleidslose Komödie
BESETZUNG


In eine Baracke am Rande der Stadt haust die vier Generationen große Familie von Norbert, der seit einem Arbeitsunfall reich ist: Die Versicherung zahlte ihm 66.000 Euro. Seither versuchen alle, aber auch wirklich alle, Mitglieder seiner buckeligen Verwandtschaft ihm das Geld abzujagen. Karin Beier widmet sich, in ihrer sechsten Arbeit seit Beginn ihrer Intendanz in Köln, einer Komödie, obschon der zugrunde liegende Film von Ettore Scola nicht nur die lustigen Seiten des Lebens zeigt; indem das Böse in einer Komödie sitzt, wird es ärger, als es von der Tragödie je dargeboten werden könnte. In den SCHMUTZIGEN herrscht Gewalt und Gefühlsstau als Resultat einer Zivilisation, die ihre eigene Verrohung zulässt. Ein echtes Interesse für diese Menschen scheint dabei unerlässlich, um nicht in Schieflage zu geraten. Trotzdem geht es nicht um moralische Herablassung, es geht um einen Blick, der weder die Zuschauer, noch die Porträtierten und auch nicht die Spieler schont. Und eins ist klar, an diesem Abend sind die Zuschauer zwar in der Überzahl, aber wie Einar Schleef sagt: „Das ist wie im Zirkus. Normalerweise bleiben die Löwen hinter dem Gitter, aber es gibt keine Garantie dafür.“


Pressestimmen:

„ Das Publikum sitzt Containern gegenüber, die die ganze Bühnenbreite einnehmen […] – hier hausen Menschen. Die Zuschauer gucken durch sechs Fenster in deren Wohn- und Badezimmer, in ihre Küche – unzulässige Blicke von Voyeuren ins Private. […]
Dass Mitleid enthält Karin Beier, die Intendantin des Kölner Schauspiels, den Armen und Entrechteten in ihrer Inszenierung vor – und erntete dennoch nach der Uraufführung in der Halle Kalk zusammen mit ihrem Ensemble einhellig begeisterten Beifall. […]
Das Publikum kann kaum etwas hören, die Räume und Fenster verschlucken fast alle Dialoge. Allerdings kann es durch die Körpersprache und die Arrangements der Geschichte folgen – ein Kunstgriff Karin Beiers. […] Das Kölner Ensemble glänzt. Jede und jeder spielt einen scharf umrissenen Typen, genau Studien. […] Mit dieser Inszenierung setzt Karin Beier Maßstäbe.“
(Dr. Ulrich Fischer, dpa)




„Die Gier ist das Einzige, was die Menschen in dieser Aufführung antreibt. Sie kennen nicht einmal einen Anflug von Mitgefühl, nur den Kampf um Geld, Alkohol und Sex. Karin Beier zeigt mit ihrem wunderbaren Ensemble einen boshaften Blick auf den Menschen, der dem Menschen ein Wolf ist. Wie in vielen früheren Inszenierungen ist zu spüren, dass sich die Kölner Intendantin mit den extremen ästhetischen Ansätzen des Gegenwartstheaters beschäftigt und ihre eigene Theatersprache ständig weiter entwickelt.“
(Stefan Keim, Deutschlandradio Kultur)


„Die Inszenierung zählt darüber hinaus zu jenen Theaterexperimenten, die mit Karin Beiers Intendanz das Leben des Kölner Publikums so schön bereichern.“
(Karin Fischer, Deutschlandfunk)


„Das Theater entblößt die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen, aber es lässt sie nicht los. Keine Aussicht auf Befreiung, Trost oder Hoffnung. Ihnen Gehör zu verschaffen, hat das Theater ausdrücklich abgelehnt. Eine Analyse kann und will es nicht geben, nur durch ein ungemein dichtes, detailreiches Spiel dazu anhalten, genau hinzusehen. Balancesicher gratwandert die Regie von Karin Beier zwischen Voyeurismus und Verfremdung, unerbittlich verweigert sie Mitleid und Moral. [..] Merkwürdig unbeteiligt und doch gebannt, folgt das Publikum einer Aufführung, die eine vergessene Selbstverständlichkeit in Erinnerung ruft. Was draußen im Argen liegt, ist nicht Sache des Theaters, sondern allein derer, die ihm zuschauen. So beweist das Theater, indem es seine Ohnmacht gesteht, wie unersetzlich es ist.“
(Andreas Rossmann, F.A.Z.)

„Es gibt keine Flucht, selbst wenn sie den Container einmal verlassen, bleiben sie immer Teil dieser Welt. Eine bittere Erkenntnis; in ihr liegt die Wucht der Inszenierung, des Bühnenbilds und die Leistung der Darsteller. So dicht und spannend kann Theater sein, so überzeugend kann es die elektronischen Medien aus dem Feld schlagen. Da kein Dialog existiert, muss die Geschichte, die dramaturgisch klug zersplittert, aber wie mit einem unsichtbaren Magneten immer auf Kurs gehalten wird, alleine über Aura und Aktionen der Darsteller erzählt werden.
Ein meisterhaftes Spiel der Blicke, bei dem jeder die spezifische Ausstrahlung des eigenen Körpers mitbringen muss. Niemanden darf man deshalb aus diesem wunderbar agierenden Ensemble herausheben. Dafür gab es viel Beifall, der aber begeisterter hätte ausfallen können für eine der originellsten Regieleistungen, die Karin Beier in Köln gezeigt hat.“
(Thomas Linden, Kölnische Rundschau)

„Das 15-köpfige Ensemble packt das Spielen im Schallvakuum eindrucksvoll. Karin Beier ist mit dieser Hörverweigerung ein Wagnis eingegangen, das ein außergewöhnliches Theatererlebnis schafft.“
(Vasco Boenisch, Süddeutsche Zeitung)




KOMMENTAR VERFASSEN

Amanda Horton schrieb am 4. 5. 2010 um 07.10 Uhr

Ein entsetzlicher Theaterabend! Warum soll ich mir diesen Pseudo-Realismus, wo ein billiges Klischee an das andere gereiht wird, eigentlich 2 Stunden lang anschauen? Wohl situierte Stadttheaterschauspieler machen auf Unterschicht- das ist grauenerregend. Theater ist doch immer noch ein Kunstraum, und nicht der Ort, wo man 1:1 billigen, miefigen, Realismus zur Schau stellt. Und weil alles so schön dreckig ist, läuft im Shopping-Kanal eine Dauerschleife eines Reinigunsmittels: das ist alles so unfassbar platt. Präkariatstheater braucht kein Mensch!

Friedhelm Thelen schrieb am 3. 5. 2010 um 14.40 Uhr

Liebe Frau Beier, ich möchte Ihnen und Ihrem Ensemble ganz herzlich zu der absolut stimmigen Inszenierung gratulieren. Ich bin einen Tag nach dem Gesehenen immer noch tief bewegt über die Darstellung der Charaktere und möchte die Aufführung gerne noch ein zweites und drittes Mal sehen. Bitte enttäuschen Sie mich nicht und setzen weitere Aufführungen spätestens nächste Saison wieder auf den Spielplan.

Friedhelm Thelen schrieb am 2. 5. 2010 um 23.03 Uhr

Grandios! Unglaublich vielschichtig gespielte und packende Inszenierung, preisverdächtig!
Aber: Teile des Publikums sind mir heute unglaublich auf die Nerven gefallen. Leute: auch wenn ihr etwas anders erwartet habt - das war nicht der Container von Big-Brother den ihr gesehen habt, sondern wahrhaftiges Theater. Wer selbst im Alter von 40 Jahren nicht das geringste Gespür für Dramatik hat, ständig lauthals an den falschen Stellen lacht und meint, den im Hintergrund auf der Bühne laufenden Shopping-Sender permanent kommentieren zu müssen, der möge doch bitte zu Hause bleiben und bei RTL zappen oder seinen Kegelausflug gleich in die nächste Kneipe verlegen - aber bitte nervt nicht den Rest des Publikums. Diesmal hatten die Schauspieler wenigstens Glück - sie saßen hinter der Scheibe.
Um es auf den Punkt zu bringen: man muß zwar nicht zum Lachen in den Keller gehen, aber im Zweifel einfach mal die Klappe halten!

Dorothee Brandenstein schrieb am 2. 5. 2010 um 15.02 Uhr

Faszinierende Inszenierung. Der Zuschauer kommt sich wie ein Voyeur vor. Für die Schauspieler muss es eine neue Erfahrung gewesen sein, sich größtenteils ohne Worte verständlich machen zu müssen. Nur schade, dass man seine Augen nicht überall gleichzeitig haben kann. Ich würde sicher bei jedem neuen Besuch Neues entdecken. Danke für diesen Kunstgenuss!

Günther Damm schrieb am 30. 4. 2010 um 09.52 Uhr

pornografie kann so geil sein :-) bravo.

Ron Uhlig schrieb am 29. 4. 2010 um 08.41 Uhr

Großartig.

vonbriest schrieb am 7. 2. 2010 um 10.27 Uhr

Ein wirklich gelungener Theaterabend. Allein schon durch die Atmosphäre der Halle Kalk ist man geneigt, etwas Gutes zu erwarten. Und das Stück enttäuscht nicht. Eine tolles Ensemble und eine mutige Inszenierung wird einem hier geboten. Auch wenn man es ein wenig hätte kürzen können. Gerne mehr davon!

Dr. Gerd Leidig schrieb am 30. 1. 2010 um 11.28 Uhr

Gestern Abend erlebten wir ein Theatererlebnis der besonderen Art. Die großartigen Darsteller entfalteten unter der einfühlsamen Regie von Karin Beier eine Atmosphäre der Kälte, abgrundtiefen Traurigkeit, die alternativlos in den Abgrund führt. Ein Abgrund, in den wir hinein blicken und ganz vage vielleicht auch uns selbst entdecken, vor dessen Anblick wir am Ende verstohlen in die Nacht laufen und auch am morgen danach wissen: Köln braucht ein solches Theater: kraftvoll, sensibel und begeisternd. Danke liebes Ensemble, danke Karin Beier!

Marion Winter schrieb am 18. 1. 2010 um 23.51 Uhr

Das nackte Grauen!!! Immer noch wütend über diesen arroganten Scheiß. Was ist der Sinn dieses SCHAUspiels? Würde lieber das Leben der dafür Verantwortlichen im Container beobachten. Verstehe die guten Rezensionen NICHT. Heiße Luft.

Sabine Röser schrieb am 15. 1. 2010 um 12.03 Uhr

Hut ab vor dem Ensemble, aber auch vor der Inszenierung.
Zwei Stunden in denen man die Dialoge größtenteils nicht hört sondern "spürt" und die Wucht der Emotionen die transportiert werden. Das ist auch anstrengend für mich als Zuschauerin. Das ist Theater das ich sehen möchte.




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