
GEORG BÜCHNER
Ein Drama
BESETZUNG
„Der Dichter ist kein Lehrer der Moral“, schreibt Büchner in einem Brief vom 28.7.1835, „er erfindet und schafft Gestalten, er macht vergangene Zeiten wieder aufleben, und die Leute mögen dann daraus lernen, so gut, wie aus dem Studium der Geschichte und der Beobachtung dessen, was im menschlichen Leben um sie herum vorgeht.“ Anfang 1834, als Student der Medizin in Gießen, beginnt Georg Büchner verschiedene Quellen zur Geschichte der Französischen Revolution zu studieren, setzt seine Auseinandersetzung zwischen Oktober 1834 und Januar 1835 intensiv fort, um – nach eigener Angabe – „in höchstens fünf Wochen“ das Drama niederzuschreiben. Am 21.2.1835 schließlich schickt er die 32 Szenen des fertigen Stücks an seinen Verleger, der es stark gekürzt und verstümmelt durch seine Präventivzensur im belletristischen Tagblatt »Phönix« veröffentlicht.
In »Dantons Tod« schildert Büchner die beiden letzten Wochen vor der Hinrichtung Dantons am 5.4.1794 in Paris, die erbitterten Fraktionskämpfe zwischen den Anhängern Dantons und den Jakobinern, denen Robespierre und St. Just vorstehen. Dazwischen steht das hungernde Volk. Die Revolution verzehrt sich selbst, eine Veränderung der Verhältnisse führt sie nicht herbei, so stellt das Stück „den gräßlichern Fatalismus der Geschichte“ fest: „Der Einzelne“, schreibt Büchner in einem Brief an seine Braut, „nur Schaum auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz“.
KOMMENTAR VERFASSEN
Mischa schrieb am 31. 3. 2010 um 21.43 Uhr
Eine Inszenierung, in der der Text, das Stück, das Drama an sich, durch jedes andere ersetzt werden kann, ist doch keine Inszenierung. Auch wenn ich den Ansatz spannend finde, hat der Regisseur, meiner Meinung nach, keine künstlerische Lösung gefunden. Kunstfremdes Publikum neigt dann schnell dazu, solche Darbietungen als künstlerisch zu interpretieren. Auch das Bühnenbild, welches Bildende Kunst zitiert, oder imitiert, wird demnach oft positiv gewertet.
Ist das nicht Konsens im Theater, dass man den Tod gar nicht inszenieren kann?(siehe "Tod des Theaters")
Johanna Dombois schrieb am 11. 2. 2010 um 13.22 Uhr
War in der Aufführung vom 6.2. und fand Inszenierung generell wie Aufführung speziell grossartig. Gewiss gab es hier und da einige handwerkliche Mängel (und wie auch nicht, bei diesem Risiko, das Laurent Chétouane nimmt), zumindest kam bei mir Fragenpotential zustande (z.B. was die Opernszene auf dem Schafott betraf, wo die Spannung so rasend wich, oder aber was die Rolle der Kostüme anlangt, die mir ähnlich ungelöst schien wie die Angebote des schönen Bühnenraums, der inszenatorisch nicht ausgeschöpft wirkte). Das alles aber tut meinem Gesamteindruck überhaupt keinen Abbruch. Ich kenne das Stück gut und sass von der ersten bis zur letzten Minute auf der Stuhlkante, gerade weil die Choreographien eine so beängstigende Nervosität erzeugen, gerade weil zu leise, gerade weil in gebrochenem Deutsch gesprochen wurde – denn nur so konnte man Büchners Verse doch erst wieder neu sehen und hören. Eben als ob sie das erste Mal gesprochen würden, mit all der Verwunderung, die es braucht, um sie als etwas Gegenwärtiges zu begreifen. Im Grunde hat mir Laurents Interpretation klar gemacht, dass jede Zeile dieses Büchner-Stücks eine Revolution in sich ist, eine Revolution durch Poesie. Und ich empfinde seine Regieleistung insofern als unhintergehbar.
Was mich aber zutiefst schockiert hat – und deshalb schreib ich eigentlich auch nur, was ich sonst nicht tue – ist der Querschnitt durch die Publikumsmeinung; die Mail von Günther Damm kam mir regelrecht erlösend vor. Denn schockiernd ist, dass offenbar überhaupt kein Konsenswissen mehr dafür besteht, was Theater überhaupt ist. Es scheint schlichtweg Unwissenheit darüber zu herrschen, dass ein Theaterstück oder auch eine Oper im Kern nicht identisch sind mit dem Textbuch oder der Partitur. Theater ist ein lebendes Kunstwerk. Das heisst, die Werke sind nicht nur zufällig für eine Bühne geschrieben, sondern kommen im eigentlichen erst in der szenischen Interpretation zu sich, ja ich würde fast sagen, sie sind diese Interpretation (und das Grossartige an Büchner ist nicht zuletzt, dass das Stück, das er für eine Bühne avisiert hat, auch noch als Text so gut funktioniert.) Nicht alles nämlich, was auf der Bühne erzeugt werden soll, ist notiert. Und wie auch. Licht, Deklamation, Gestus, Mimik sind nicht notierbar. Und gehören doch zweifelsohne zu Büchners Kosmos dazu. Man kann also zum Beispiel eine einzelnes Wort im Textbuch nachlesen, man kann seine Buchstabenabfolge beweisen, wenn man muss. Der Klang aber, der durch durch dieses Wort in den Raum hineinspielt, ist niemals notier- und nachweisbar. Und dennoch eben – notwendig – existent, sobald ein Schauspieler seine Zunge bewegt. Werktreu wäre nun nicht, was man als Regisseur als Meinung zu diesem einzelnen Wort entwickelt und wo genau es im Archiv steht, sondern was man – zur Deutung gezwungen – mit dem Klang macht, der mit ihm in Vernetzung mit anderen Wörtern und Klängen assoziiert wird.
Kurz, viele der Zuschauer scheinen Panik zu empfinden, sobald etwas nicht so ist, wie sie es aus dem Textbuch kennen. Wie gehabt, das Textbuch aber ist gar nicht das Stück. Es scheint sich da also irgendwo in unseren historischen Ritzen ein seltsamer Zwang entwickelt zu haben, Theater als etwas zu begreifen, wo von 20.00 - 21.30h die Inhaltsangaben unserer Klassiker nacherzählt werden. Ein Zwang, der eine tiefe Angst spiegelt vor dem Unwägbaren, dem Unverhofften, der echten Überraschung. Je tiefer, desto mehr Phrasen die Kulturindustrie für uns in der Sache bereithält. Und schockieren tut mich das so, weil ich während Dantons Tod dachte, dass a) seit der Entstehung des Stücks doch eigentlich 175 Jahre Zeit genug gewesen sein müssten, sich mit dem Plot des Stücks vertraut zu machen und b) dass das Theater vielleicht schon längst tot ist – in den Köpfen derer, die allabendlich zum Endverbrauch kommen und Entspannung suchen, wo Anstrengung gefragt ist. Irgendwie wird das Theater nicht abgeschafft, wir schaffen es selbst ab. Am Ende ist dafür nicht einmal mehr die Unterschrift eines Kulturpolitikers nötig. Was aber bleibt uns, wenn wir nicht anders aus dem Theater hinauskommen als wir hineingegangen sind. – Dann sind wir, vraiment, unpolitische Menschen geworden. Es wird einem bang ums Herz. So bang eben, wie eine Zeile von Büchner nur bang sein kann.
Johanna Dombois
Günther Damm schrieb am 10. 2. 2010 um 10.42 Uhr
@Laurent Chétouane: bin gespannt. es lebe der aus gegensatz gespeiste diskurs :-)
@rest: ich bin etwas geschockt (und inzwischen reichlich genervt) von der kompromisslosen ignoranz, die hier und in vielen anderen foren herrscht. jede kunst ist kritisierbar. mir scheint allerdings die fähigkeit, sich auf neues einzulassen, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen und das diskursangebot anzunehmen, hat abgenommen. woher kommt das? aus welchem rechtsgrundsatz leiten so viele den anspruch ab, kunst wie ein leicht verdauliches vier-gänge-menü serviert zu bekommen? warum fühlen sich so viele persönlich beleidigt, wenn sie ein stück (über-) fordert? warum so wenig selbstbewusstsein? wer sein schultheaterstück will (und - wie meine sitznachbarn - die inszenierung sogar mit der reclam-ausgabe auf texttreue "kontrolliert"), braucht nicht ins theater. der genügt sich mit seinen eigenen meinungen und einstellungen.
wo bleibt die bereitschaft, den kopf zu öffnen und neue, gegebenenfalls sehr fremde gedanken, bilder, stimmungen daraufhin zu prüfen, ob sie auch das eigene leben bereichern könnten?
post scriptum: ich bin weder lohnabhängig noch verwandtschaftlich mit dem schauspiel köln verbunden.
Anton Aumann schrieb am 10. 2. 2010 um 01.34 Uhr
Herr Chétouane spricht davon, dass alles gewollt war, die Langeweile, ein Stück ohne Widersprüche, der Tod des Theaters. Ich habe mir schon gedacht, dass dieser interessante Kommentare-Austausch eine Inszenierung ist. Regietheater im Selbstgespräch. Auch dieser Kommentar, wird sicher, wie mein letzter, entfernt werden. Soviel zum Publikumskontakt und zum Dialog.
Petra Karim schrieb am 7. 2. 2010 um 16.49 Uhr
nach der gestrigen aufführung denke ich, dass chetouane eine echte theater/revolution treibt. bin fasziniert.
Laurent Chétouane schrieb am 5. 2. 2010 um 22.25 Uhr
lieber Günther dam, Ihr kommentar ist hochinteressant, und trifft einigem zu. "Dantons Tod als Tod des Theaters" ist ein Hauptmotiv für mich gewesen während der Proben. Aber eines bestimmten Theaters nur. Ich hoffe, in der nächsten Tage dazu zu kommen, Ihnen ausfürhlicher zu antworten. Laurent Chétouane.
Toren Sath schrieb am 4. 2. 2010 um 13.36 Uhr
Sehr geehrter Herr Chétouane,
eine Weimar-Reise ist geplatzt - wir waren nicht schnell genug. Nun freuen wir uns auf Köln. Mann spricht noch gerne von Don Karlos!!!
Günther Damm schrieb am 4. 2. 2010 um 12.28 Uhr
zunächst einmal ein herzliches dankeschön an das schauspiel, dieses stück endlich wieder einmal aufzuführen. mich hat die vorstellung (die erste nach der premiere; noch OHNE übertitelung) noch lange beschäftigt. auch ich fand den ansatz, text und körpersprache zu trennen a) ein hochpoetisches und b) ein starkes mittel, die zunehmende posenhaftigkeit medialer vermittlung zu kommentieren - und damit legitim und treffend. chapeau! ich kann auch nachvollziehen, dass der regisseur durch den fast vollständigen verzicht auf robbespierre das fehlen von gegensätzen im öffentlichen diskurs kommentiert - angesichts der revolutionären umstände also eine zuspitzung gegenwärtiger gesellschaftlicher debatten, die auf dem konsens medialer spielregeln beruhen (diskurs findet nur durch provokation statt - und erschöpft sich in posen, siehe oben). in sich also eine schlüssige idee, schlüssig auf die bühne gebracht.
jedoch/aber/allerdings: wenn h. müller eine legitimationskrise des theaters kommen sah, weil er die gegensätze verschwinden sah, die das drama erst ausmachen, dann muss sich die regie schon die frage gefallen lassen, ob sie damit nicht das schauspiel insgesamt und die eigene inszenierung in frage stellt, statt die vorhandenen - aber wenig artikulierten gegensätze - aufzudecken und zur sprache zu bringen. warum noch ins theater gehen, wenn selbst dort gegensätze eliminiert werden? büchners frühwerk wäre das richtige stück gewesen, die sehr gegenwärtigen widersprüche zwischen dem handelnden "unbestechlichen" und dem antriebslosen aufklärer zu thematisieren, vorzuführen, wie lediglich die huren noch so etwas wie "unschuld" für sich in anspruch nehmen können. dantons tod - für mich ein selbstreferenzieller todesgesang auf die möglichkeiten des theaters.
Jay schrieb am 1. 2. 2010 um 00.21 Uhr
@Diana Vanessa:
Dieser Denker braucht niemanden, der ihn widerlegt: er genügt sich dazu selber.
hubertz schrieb am 30. 1. 2010 um 09.45 Uhr
Gaeehn! Es war einfach nur langweilig, und das muss bei dem Stueck erstmal gelingen. Bemerkenswerte Leistung. Staendige Bewegung mag ja in einem strengen Buehnenraum eine eine neue Intensitaet schaffen, aber dann stoert der Text (der sowieso kaum zu verstehen war).
tewi schrieb am 29. 1. 2010 um 16.32 Uhr
selten hat sich für mich solch eine Intimität zwischen Zuschauern und Schauspielern eingestellt wie gestern Abend. Noch nie habe ich die Präsenz von Körpern, bzw. dem im Moment entstehenden Text und dem grade dazu sich kontinuierlich verhaltende Körper so deutlich gesehen. Für mich ein wunderbarer Abend der nichts mit Esoterik oder Arroganz, sondern einfach mit genialem Theaterverständnis zu tun hat.
Martin schrieb am 29. 1. 2010 um 15.08 Uhr
Liebe Frau Friebel,
Herr Chétouane äußerte sich in einem Publikumsgespräch (sinngemäß)so:
"Wären die Schauspieler/Darsteller lauter, würde die Intensität auf der Bühne verloren gehen".
Das muss scheinbar so sein, dass man nichts versteht...
Gisela Friebel schrieb am 29. 1. 2010 um 12.53 Uhr
Ich saß am 24.1.2010 auf Platz 2 in Reihe 13 und konnte etwa 50% des gesprochenen Textes nicht verstehen (mein Gehör ist zu 100% in Ordnung). Nur weil ich den Text zuvor gelesen hatte, konnte ich dem Wortlaut der Aufführung mehr ahnend als hörend folgen. Es müsste der Regie doch klar sein, dass der mit Stoff verhängte Bühnenbereich die Akustik erheblich verändert, und die Problematik müsste bei den Proben von verschiedenen Zuschauerplätzen aus überprüft werden! Erschwerend kam hinzu der starke englische Akzent einer der Schauspielerinnen. Mit Enttäuschung und Verärgerung, Gisela Friebel.
Darian schrieb am 26. 1. 2010 um 12.07 Uhr
@surfguard
Da sie ja sicher wissen, dass der Singular, also "die Wahrheit" ein Fehler der Jugend ist, bilde ich mir mit nichten ein "im Besitz der einzig gültigen Wahrheit zu sein". Ich fand es nur angemessen, nach diesem recht unverschämten Abend mir gegenüber, meinerseits deutliche Worte zu finden. Fühlen sie sich also bitte nicht persönlich angegriffen oder gar verantwortlich für diese katastrophale Inszenierung.
@Thalias Tochter
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. :-)
Diana Vanessa schrieb am 26. 1. 2010 um 10.57 Uhr
es ist schon absurd wie einem hier das wort im munde umgedreht wird! ich habe nicht gosch und chetouane miteinander verglichen sondern die reaktionen die ihre inszenierungen jeweils ausgelöst haben. ich erinnere mich an das flüchtende düsseldorfer publikum noch zu gut!
wer lesen kann ist klar im vorteil!
peter schrieb am 26. 1. 2010 um 10.12 Uhr
hallo! dieser chetouane ist grossartig. endlich mal wieder diskussion im theater! endlich mal wieder kontroverse! endlich mal wieder reibungen! was hat er denn gemacht? Armes Publikum!
surfguard schrieb am 26. 1. 2010 um 09.07 Uhr
@Lucile Desmoulins
Sie haben recht: Die Zahl der Diskussionsbeiträge hier ist kein Gradmesser für die Qualität. Aber sie zeigt, dass diese Aufführung das Publikum nicht kalt lässt, was mehr ist, als man von der ein oder anderen Inszenierung sagen kann.
Wo waren Sie aber im übrigen, als ich die Aufführung am Sonntag im Kreis einiger Freunde diskutiert habe? Hätte ich Sie einladen sollen, um ihre komplett unbewiesene Unterstellung zu widerlegen, diese Aufführung werde nur virtuell diskutiert? Das wäre doch etwas viel verlangt. Und wieso wäre überhaupt eine virtuelle Diskussion schlechter als eine "echte"?
Lucile Desmoulins schrieb am 25. 1. 2010 um 19.55 Uhr
Armer Jürgen Gosch! Gegen den Vergleich mit Chétouane, dem wohl blutleersten Verfechter des experimentellen Theaters, kann er sich ja nun nicht mehr wehren. Ich erinnere mich an Goschs atemberaubende Düsseldorfer Inszenierung von „Was Ihr wollt.“ Sie war eine der letzten Arbeiten des verstorbenen Regisseurs. Nun, Shakespeare bekam eine frische, freche und moderne Übersetzung übergestülpt, und mit den Schauspielern gelang Gosch eine hoch poetische und gleichzeitig werktreue Aufführung. Das Düsseldorfer Schauspielhaus war rappelvoll, für Gosch gab es Standing Ovations.
Der Vergleich mit Chétouane ist absurd. Für diesen Langeweiler, der ja schon vor Jahr und Tag hier in Köln den „Faust“ verwüstet hat, begeistert sich doch nur ein ganz kleiner, sagen wir, esoterischer Zirkel, der freilich in diesem Forum munter hyperventiliert, sich permanent zu Wort meldet und damit eine SCHEINDEBATTE anheizt. Es sei mal ganz klar gesagt: Die Anzahl der Forumsbeiträge ist doch kein Gradmesser für die QUALITÄT einer Aufführung.
Schade um die vielen richtig guten Kölner Inszenierungen der letzten Jahre, über die eben nicht virtuell, sondern ganz real, im Freundeskreis zum Beispiel, ausdauernd diskutiert wird!
surfguard schrieb am 25. 1. 2010 um 15.37 Uhr
@Darian
Schildern Sie doch einfach Ihre Eindrücke und Ihre Meinung, die Ihnen unbenommen ist. Aber versuchen Sie bitte nicht den Eindruck zu erwecken, im Besitz der einzig gültigen Wahrheit zu sein. Mir hat die Inszenierung sehr gut gefallen und ich verbitte mir, von Ihnen dafür expressis verbis getadelt und implizit als oberflächlich geschmäht zu werden. Das ist nichts weniger als anmaßend - mir und den anderen Liebhabern der Inszenierung, aber übrigens auch dem Regisseur gegenüber.
Diana Vanessa schrieb am 25. 1. 2010 um 11.41 Uhr
Es gibt genügend Beispiele für unkonventionelle Inszenierungen, die gerade deshalb eine enorme Anzahl von Zuschauern angezogen haben. Man denke an Jürgen Goschs "Macbeth" in Düsseldorf. Gerade die Negativ-Kritik macht eine Inszenierung für viele interessant. Ich bin mir sicher dass "Dantons Tod" sich nicht über mangelnde Zuschauerzahlen beklagen kann und beklagen wird. Dafür ist zu viel geschrieben worden. Gut so! Vive Chetouane!
Thalias Tochter schrieb am 24. 1. 2010 um 23.27 Uhr
Auf die Gefahr hin, dass sich die kleine radikale Minderheit von Chétouane -Apologetinnen dieses Forums furiengleich auf mich stürzt: Auch von mir ein herzhaftes BUH für diese Inszenierung, vor allem wegen des dreisten ETIKETTENSCHWINDELS. Hier wurde eben nicht „Dantons Tod“ von Georg Büchner aufgeführt. Mit dem literarischem Geniestreich des blutjungen Büchner, der ja altersmäßig übrigens ziemlich nahe an den von „Diana Vanessa“ so geschmähten Schulklassen dran war, hatte dieser Abend im Kölner Schauspielhaus absolut nichts zu tun. Hätte Chétouane seine Deutung anders genannt, beispielsweise “Der gescheiterte Danton. Ein Versuch. NACH Georg Büchner“ hätte die unglaublich öde Aufführung zumindest hinsichtlich der allgemeinen Erwartungshaltung etwas weniger entsetzt.
Nichts gegen mutiges, eigenwilliges Regie-Theater, das nicht auf die Quote schielt. Wirklich nicht. Regie-Theater definiere ich aber als zwar sehr individuelle, aber doch als intellektuell redliche, analytische Auseinandersetzung des Regisseurs mit dem Werk des Dichters, wofür ja nicht zuletzt die Arbeiten der Kölner Hausherrin Karin Beier selbst stehen und die der meisten Gast-Regisseure.
Und noch eins, liebe Diana Vanessa: Keine der hoch subventionierten Bühnen in Deutschland kann sich die von Ihnen gepriesene Arroganz leisten, Theater GEGEN Zuschauer zu machen. Und bestimmt sollen mit Klassiker-Inszenierungen nicht nur, aber auch Schulklassen angelockt und möglichst für die Kunstform Theater begeistert und nicht abgeschreckt werden.
Darian schrieb am 24. 1. 2010 um 11.07 Uhr
Enttäuschung, also ent-täuscht, wie Herr Günther schrieb; Die Täuschung also, die Herr Chétouane noch mit seiner Inzenierung "Empedokles//Fatzer" aufrecht erhalten konnte; Im Stile von: >>>Ohhhhh seht mich an, ich bin ein begnadeter Regisseur!<<< ist hier, ich möchte mal behaupten, VERNICHTEND enttarnt, bzw. vom Publikum durchschaut worden.
@Alle Lob denen, die es schlecht fanden, denn das war es: Einfach nur MISERABEL! Tadel denen die dahinter versteckte Kunst vermuten: NEIN, NEIN, NEIN! So nicht mein Freund. Die Schauspieler hatten die Buh-Rufe nicht verdient, sie haben getan was sie konnten. Diese Rufe galten einzig und allein der Regie.
Es ist schlichtweg absurd, und das meine ich nicht im köstlichen Sinne von absurd, wenn man eine Schauspielerin, hier wohl eher Balleteuse (Ein anderes Wort kann ich für das "Dargestellte" nicht finden!), allen ernstes Opern-mäßig übertiteln muß, damit das Publikum versteht was gesprochen wird! (Für die, welche das Stück noch nicht gesehen haben: Es wurde in Deutsch übertitelt, während die Dame "deutsch" sprach!) Passend dabei war allerdings das Geschriebene zum Ende hin: "Schlaf, Schlaf", dieser Aufforderung folgten grob geschätzt 53% der Zuschauer.
Es kann einfach nicht sein, dass der für dieses Stück essentielle Psychokrieg zwischen Danton und Robespierre einfach mal NICHT vorhanden war. Lass doch Maria Stuart einfach mal nicht auf Elisabeth treffen, (Ja ich weiss, historisch ist das nie passiert, aber bei Schiller halt doch!) blenden wir diese Kernszene des Dramas (also der HANDLUNG) einfach mal aus und hüpfen lieber ein wenig durch die Bühnendekoration!
Zusammengefasst: Der Regisseur hat sein Publikum, und daran wird man halt gemessen, einfach mal vergessen (Was sich reimt ist gut, sagte schon Hans Clarin als Pumuckl). Alle Menschen, die noch bei Verstand (Hurra auf die Aufklärung) sind: Geht bloß nicht in diese Inszenierung! "Dantons Tod" geht anders und definitiv besser, Joachim Meyerhoff wird es bestätigen können.
Mit erbosten Grüßen
Euer Theaterliebhaber Darian
Post scriptum: Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!
Manfred W. Günther schrieb am 22. 1. 2010 um 21.24 Uhr
Ich war tief enttäuscht - es war einfach nicht dramatisch - es war so als würde man eine Oper sprechen als zu singen; aber Stücke die das Publikum spalten (siehe die bisherigen Kommentare) sind nicht die schlechtesten. Wenn alle unisono enttäuscht gewesen wären (oder keiner etwas geschrieben hätte), wäre es wirklich ein Desaster.
Diana Vanessa schrieb am 20. 1. 2010 um 19.52 Uhr
Sehr richtig, Nelly! Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!
Publikum schrieb am 20. 1. 2010 um 19.37 Uhr
Auf die Frage, ob der Regisseur als Zuschauer des Stückes noch irgend etwas anderes sehen würde als sich selbst, antwortet dieser: Wozu?
nelly schrieb am 20. 1. 2010 um 18.22 Uhr
Wenn ich die Kommentare so lese, merke ich, dass diese Inszenierung bei den Menschen angekommen ist, ob gut oder schlecht ist sekundär. Nur der Fakt, dass das Stück solche Diskussionen angeregt hat und einen andauernden Eindruck hinterlassen hat, den man unbedingt loswerden und weiter ausführen möchte, wird sicherlich Chetouane freuen.
Ist das nicht ein Zeichen für das Gelingen seines Werkes? Ist das nicht, was man von einem Publikum erwartet?
Diana Vanessa schrieb am 20. 1. 2010 um 17.35 Uhr
Das behauptet ja auch niemand!!!
Schlauchsteher schrieb am 20. 1. 2010 um 17.22 Uhr
Theater wird aber auch nicht dadurch toll, dass es nur wenigen gefällt!
Diana Vanessa schrieb am 20. 1. 2010 um 16.47 Uhr
Vielleicht möchte man ja gar keine Schulklassen anlocken.. Wir wissen doch schon lange: Was der Masse gefällt, muss nicht unweigerlich qualitativ hochwertig sein! Ganz im Gegenteil... Gott sei dank ist die Quote für das Theater nicht so sehr von existentieller Bedeutung!
Wer den Kopf nicht freimachen kann für solch einen Zugang, sollte lieber gleich zuhause bleiben. Darum ist sicher niemand böse.. Wie schade, dass Kunst von vielen so eindimensional gesehen wird.
Lena schrieb am 20. 1. 2010 um 16.24 Uhr
Sicherlich gutes Regietheater mit sicherlich guten Ansätzen sowie v.a. excellenten Schauspielern (männlich!)
Allerdings gehört eine solche Inszenierung nicht auf die große Bühne! So verschreckt man erfolgreich zahlreiche Schulklassen und viele zukünftige potenzielle Theatergänger, die mit einem solch verkopften Zugang nichts anzufangen wissen.
Auf einer kleineren Bühne (hier wäre auch die Akkustik besser) hätte es u.U. ein kleiner Erfolg werden können - so wird es wohl ein Fiasko hinsichlich der Zuschauerzahlen.
Philipp Langenkämper schrieb am 20. 1. 2010 um 16.11 Uhr
Folgender Satz gilt wohl unumstößlich:
Drama heißt auf Deutsch Handlung, und Dramatik bedeutet Figurenrede und szenische Darbietung.
Was ich persönlich bei der Inszenierung vermisst habe, war die Handlung. Die Handlung in Dantons Tod, den ich noch nie gelesen und noch nie gesehen habe, aber in Grundzügen kannte, erschloss sich mir vollends erst auf der Rückfahrt im Zug - als ich ihn las. Und zum Theater gehört nach wie vor - meiner Meinung nach zumindest - das Handeln. Ich habe die Handlung schlichtweg nicht verstanden.
Dantons Tod kam daher rüber wie eine sich selbst parodierte Sentenzfabrik, doch damit wird man Büchner nicht gerecht. Das ständige Wechseln der Schauspieler (die ich hierbei mit Nachdruck loben möchte, weil sie alle hervorragend gespielt haben)und Charaktere verwirrte aber mehr als das es sinnvoll war.
Ebenfalls negativ zu bemängeln ist die akzentuierte Sprechweise der Schauspielerinnen. Ich frage: Was hat das für einen Sinn? Wenn es Französischer Akzent gewesen wäre - vielleicht OK, aber das, was hier geboten wurde, war schlichtweg nervig und dramaturgisch ohne Bedeutung.
Aber: Chétounne bietet sehr gutes Regietheater. Seine Inszenerierung ist nicht für Erstseher oder -leser geeignet, aber wer das moderne Theater mag, der wird dieser Inszenierung bestimmt viel abgewinnen.
Diana Vanessa schrieb am 20. 1. 2010 um 12.46 Uhr
Zunächst einmal finde ich eine kritische Auseinandersetzung mit der Inszenierung absolut richtig und lohnenswert.
Allerdings bin ich, wieder einmal, schockiert über die Ausdrucksweise einiger "Kritiker". Lieber Herr Uhlig, Sie verbitten es sich beleidigt zu werden. Dazu nur folgender Hinweis: "Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.“
Zur Inszenierung selbst: Ich muss schon etwas schmunzeln, welch traditionelle Vorstellung von dem, was und wie Theater zu sein hat, noch immer in vielen Köpfen vorherrscht. Daran ist ja auch im grunde nichts auszusetzen, aber warum in aller Welt fordert man die Umsetzung dieser Vorstellung von einem Regisseur wie Chetouane?? Wenn man nicht bereit ist, sich auf Neues einzulassen, seine Erwartungen zurückzuschrauben, warum geht man das Wagnis dann trotzdem ein? Und zerreißt die Inszenierung dann anschließend in der Luft!? Unter kritischer Auseinandersetzung verstehe ich etwas anderes.
Abschließend kann ich nur sagen, dass die Inszenierung von Chetouane ehrlicher, echter und purer ist als vieles, was man auf deutschen Bühnen sonst zu sehen bekommt! Wer sich auf das Experiment einlässt, kann etwas für sich mitnhemen. Da bin ich ganz sicher...
Ron Uhlig schrieb am 20. 1. 2010 um 10.18 Uhr
Ich versuche mich einmal neu zu formulieren:
Den Versuch, Theater zu machen, welches sich ausschließlich mit einer reinen Kunst-/Tanzform beschäftigt, finde ich an sich nicht schlimm. Dabei stellt sich nur die Frage nach dem Ziel des Ganzen.
Ich persönlich fordere keinesfalls risikolose und langweilige Inszenierungen. Man hätte das Stück einfach nur Spielen können und es könnte langweilig sein, aber gerade auch Dantons Tod kann sehr, sehr gut so Inszeniert werden, dass es eine Gesellschaftliche Notwenidgkeit bekommt und ich finde es schade, dass diese Chance vertan wurde.
Man kann also Fragen: Will man hier Kunst sehen oder Theater?
Ich will hier niemanden der Zuschauer, denen es gefallen hat, Dummheit oder Sonstiges vorwerfen und möchte mich auch dafür entschuldigen, falls dies bei Ihnen so ankam oder Sie sich provoziert gefühlt haben. Vielmehr möchte ich auch gerade dem Haus sagen, dass eine (gesellschafltich) mutigere Inszenierung für mich persönlich spannender gewesen wäre.
Mit freundlichen Grüße,
Ron Uhlig
PS: Ich würde mich wirklich freuen, wenn die Diskussionspartner sich nicht hinter Chatnamen verbergen würden.
surfguard schrieb am 20. 1. 2010 um 09.08 Uhr
@Ron Uhlig: Wenn Sie schon so auf ihren Widersacher eindreschen und das Publikumsgespräch als Totschlagargument für ihre Sichtweise verwenden wollen, dann muss widersprechen. Ich war beim Publikumsgespräch aufmerksam dabei und habe einige Aspekte komplett anders verstanden als Sie.
Ich will nicht ins Detail gehen, das führt glaube ich für uns beide zu nichts. Ich will aber sehr wohl sagen, dass Laurent Chétouane ein sehr mutiger Regisseur mit einer klaren Vorstellung dessen ist, was er erreichen möchte.
Wer also eine risikolose Aufführung mit Zufriedenheitsgarantie sehen möchte, der ist hier falsch. Wer sich traut, eine Inszenierung zu sehen, von der der Regisseur selbst sagt, dass sie eine Gratwanderung ist, bei der einzelne Aufführungen auch mal abkippen können, für den ist Dantons Tod in Köln ein Muss.
Ich habe mich ergriffen gefühlt und die Aufführung mit großer Spannung verfolgt. Ein sehr, sehr lohnender Abend, an den ich mich noch lange und positiv erinnern werde!
P.S.: Nur der Kritik an der Akkustik muss ich recht geben. Es wäre angemessen, den Rang für diese bewusst leise Inszenierung zu schließen. In Reihe 15 konnte ich aber jedes Wort verstehen.
Ron Uhlig schrieb am 20. 1. 2010 um 00.57 Uhr
Zunächst einmal möchte ich es mir vorbehalten von Ihnen beleidigt zu werden!
Aber unabhängig davon:
Sprache ist vom Körper nicht trennbar. Beschäftigen Sie sich bitte mit Schauspieltechniken, dann werden Sie dies ebenfalls merken.
Zudem haben die Darsteller im Publikumsgespräch nicht gesagt, dass sie hinter der Inszenierung stehen, da sie kaum gesprochen haben. Das einzige, was man hierzu anführen kann, sind die Äußerungen einer der Tänzerin, aber diese hat selbst gesagt, dass sie Schwierigkeiten beim Tanzen hatte, da die Atmospäre für den Tanz nicht immer vorhanden ist(durch gute sprachliche Arbeit aber durchaus schaffbar wäre) und sie deshalb oft auch einfach irgendetwas tut, weil sie es halt muss.
Weiterhin ist es im Publikumsgespräch offensichtlich gewesen, dass den Schauspielern eigenes Denken über den Text verwehrt wurde. Sollten sie nicht dabeigewesen sein, ist eine Diskussion hierzu hinfällig.
Sollten sie wirklich Interesse an einer Diskussion dazu haben, so bitte ich Sie Ihren Namen zu nennen und sich nicht zu verstecken!
Mit freundlichen Grüßen,
Ron Uhlig.
PS: Wenn Ihnen Danton\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\ \\\\\\'s Tod gefallen hat, dann fahren Sie doch mal nach Leipzig und schauen sich im Centraltheater da einige Inszenierungen an. Da werden Sie sicherlich Spaß haben.
kein.außen.nirgends. schrieb am 20. 1. 2010 um 00.22 Uhr
Also, Ron Uhlig, gehen wir mal ihr Geschwafel durch: wie verhält es sich, wenn mensch Sprache und Körper trennen will? - "DAS GEHT NICHT!"
Aber die Schauspieler haben sich ja zum Glück "im Publikumsgespräch [..] durch ihre Körpersprache davon distanziert[en]". Also haben sie NICHT die äquivalenten Gesten zu ihren Aussagen gemacht, soviel entnehme ich dem.
Vielleicht geht ja doch mehr, sprachlich, gestisch, körperlich. Und Chetouane mitsamt Ensemble und Team macht ein Angebot, das zu erfahren.
Seltsam, dass sich aller Hass immer auf den Regisseur bündelt. Deshalb nochmal zur Sicherheit: Vive Chétouane!
Martin schrieb am 20. 1. 2010 um 00.22 Uhr
Im Publikumsgespräch fiel sinngemäß folgende Frage:
\"Ich saß im Hochparkett, habe aber nur ca 1/3 der Sprache mitbekommen. War das Absicht, oder haben es die Schauspieler einfach nicht bis dahin geschafft?!\"
Antwort von Laurent Chétouane, Regie (sinngemäß):
\"Wären die Schauspieler lauter, dann würde die Intensität auf der Bühne verloren gehen.\"
...???
Meine Frage wäre, warum dann die Plätze da oben verkauft werden? Das weiß man doch vorher, oder Herr Chétouane?!
Ich selbst konnte auch nicht mehr als 1/3 verstehen und der Körper der Tänzer/Darsteller hat mir da auch nicht helfen können. Ich glaube, die Tänzer wussten selbst nicht so genau was sie machen sollten, da es ja (laut einer Aussage einer der Tänzerinnen) keine Atmosphäre auf der Bühne gab, die ihnen in ihrem Tanz geholfen hat.
Aber Glückwunsch Herr Chétouane, zumindest kam das bei mir im Hochparkett an. Bis zu diesem Punkt eine gelungene Arbeit!
Ron Uhlig schrieb am 19. 1. 2010 um 23.55 Uhr
Eine Aufführung der man nur den Rücken zu drehen kann.(!)
BUH! für das gnadenlose Versagen der Regie und Dramaturgie.(Wie kann man überhaupt nur auf die Idee kommen SPRACHE UND KÖRPER ZU TRENNEN! --- DAS GEHT NICHT!)
BRAVO! für die Darsteller, die dieses Disaster ertragen mussten und im Publikumsgespräch sich durch ihre Körpersprache davon distanzierten!
Ich rufe zum Protest gegen solches Theater. Ich will nicht weiter Theater sehen, bei welchem sich die Regie nur selbst bewichst (Entschuldigen Sie die ordinäre Sprache!) und für toll befindet.
Ich hoffe, dass dieser unfähige Regisseur nicht nocheinmal nach Köln eingeladen wird!(Warum ich ihn für unfähig halte, muss ich gar nicht erläutern, denn das hat er beim anschließenden Publikumsgespräch selbst getan!)
Mit freundlichen und achtungsvollen Grüßen,
Ron Uhlig aus Leipzig.
Sophia schrieb am 19. 1. 2010 um 23.28 Uhr
Um einmal direkt zu antworten: beim Verstehen ist jeder auf den eigenen Verstand und erst dann auf Verstehenshilfen angewiesen. Ich bin froh, dass ich im Theater keinen Audioguide bekommen! Das Stück, so wie es heute Abend war, möchte ich gerne wieder sehen. Sehr gut hat mir die Andeutung laienhafter Ironie im Schauspiel mancher Darsteller gefallen. Und Ironie zu verstehen, das lernen wir doch wirklich inzwischen im Kindergarten. Wenn es eine Büchnerlesung wäre, würde auch nur wieder geschriehen. Weiter so!
owen meany schrieb am 19. 1. 2010 um 22.25 Uhr
DANTONS TOD - ich bin wohl zu blöd, um dieses theater zu verstehen. aber wenns so bedeutend ist, warum gibts nirgends verstehenshilfen?
Beate Fütterer schrieb am 18. 1. 2010 um 13.45 Uhr
Oh Ödnis, oh Fadheit, oh schmerzhafte Folter! \"Ja, wahrhaftig, es war mir zuletzt langweilig!\" (Büchner, Dantons Tod, II, 1). Interessant und neu für mich: der eurythmische Ansatz Chetouanes: wir tanzen nicht nur unsere Namen, sondern direkt das ganze Stück. Leider so stümperhaft, dass sich Rudolf Steiner sicherlich im Grabe herumgedreht hat!
Dr. Anne Meinberg schrieb am 18. 1. 2010 um 10.13 Uhr
Eine werkgetreue Aufführung? So schien es am Anfang. Langsam, fast gehaucht leise und ohne jede Emphase flossen die Sätze dahin. Dazu noch mit englischem Akzent, kaum verständlich. Warum das? Der Aufführung fehlte Bewegung. Erst im letzten Drittel nahm das Stück Fahrt auf. Da kam etwas rüber vom Geist der Revolution, mehr durch die Darstellung der Akteure, als durch die Hand des Regisseurs, der nahezu jede Gelegenheit verpasste, dem Stück eine deutbare, sichtbare Gestalt zu geben. Die Aufführung zeichnet sich aus durch ihre Versäumnisse. Es fehlte eine Gegenüberstellung der antagonistischen Charaktere Dantons und Robbespièrres. Die burlesken Szenen am Anfang des Dramas, die der Aufführung Esprit gegeben hätte, wurden ausgespart zugunsten endlos langer reflektorisch-philosophischer Monologe, in dieser Gewichtung - einfach eine Zumutung. Auch die Mehrdeutigkeiten in Büchners Sprache kamen nicht zum Vorschein, wiederum eine verpasste Gelegenheit, die Aufführung mit Leben zu füllen. Verhüllt, wie am Rande des Bühnenraumes die Requisiten, blieb auch der Sinn. Der Regisseur fand keinen eigenen Ansatz, keine aktuelle Deutung. Schade, gerade dieses Stück wäre geeignet gewesen für eine Transformation.
Dr. Anne Meinberg
Kölner schrieb am 15. 1. 2010 um 14.40 Uhr
Dilettantische Inszenierung auf Schülertheaterniveau. Die Belanglosigkeit der Darstellung trieb mich förmlich aus dem Saal.
lala schrieb am 12. 1. 2010 um 17.57 Uhr
kunst setzt nunmal ein gewisses verständnis, ein gefühl voraus, welches man nicht von jederman erwarten kann.. und vielleicht auch nicht will...
vive danton, vive chetouane!!
Kölnerin schrieb am 12. 1. 2010 um 15.45 Uhr
Dass die Probe verspätet anfing, ging ja noch, kann passieren, und das Freibier schmeckte auch gut. Aber dann dieser unsägliche Dilettantismus (seitens der Regie) auf der Bühne! Kann man dem Regisseur nicht mal sagen, dass Aerobic-Übungen und dazu Text aufsagen ohne jegliche Personen- oder sonstige Regie einfach nur Unfähigkeit ist?! Hat dieser Regisseur nicht auch den verhack-stückten "Faust" (der keiner war) in der Halle Kalk verbrochen? Das einzig Unterhaltsame an dieser Zuschauerfolter waren noch die Kommentare aus dem Publikum.
Es ist kein modernes Theater und es wird auch nicht besser, wenn überintellektualisierte, masochistische Kritiker diese Nicht-Inszenierung für "Kunst" halten, bloß weil sie unglaublich langweilig und stümperhaft ist.
Außerdem; was macht es für einen Sinn, eine Schauspielerin auf die Bühne zu lassen, die erst einmal sehr leise spricht und zweitens mit so starkem englischen Akzent, dass man sie beim besten Willen nicht versteht? Diese Inszenierung wird zuverlässig den Saal leerräumen. Schade um das schöne Stück! Tipp für den Regisseur; an der Volkshochschule ist noch ein Platz als Aerobic-Lehrer frei.
nelly schrieb am 10. 1. 2010 um 16.30 Uhr
Die lange Wartezeit vor der öffentlichen Probe des Stückes wurde mit einem Drink kompensiert, der anspruchsvolle Inhalt des Werkes mit federleichten Tanzbewegungen und die trauererregenden Menschenverluste mit dem witzig- meisterhaften Gesang der Schauspieler.
Alles fair:)))
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