
PEDRO CALDERÓN DE LA BARCA
Schauspiel in drei Akten
BESETZUNG
Denkt man an das Spanien des 17. Jahrhunderts, dieses Goldene Zeitalter der Künste, in dem die künstlerische Produktion in allen Bereichen ihren Höhepunkt erreicht, so ragt vor allem der begnadete Dramatiker Calderón heraus. Und unter seinen 200 abendfüllenden Stücken, die er geschrieben hat, besticht bis heute vor allem die ernste Komödie »Das Leben ein Traum«, geschrieben zwischen 1627 und 1629, uraufgeführt am Madrider Corral-Theater 1630.
»Das Leben ein Traum« ist ein politisch brisantes, philosophisches Experiment. Basilius, König von Polen, hat seinen Sohn Sigismund unmittelbar nach dessen Geburt in einen Turm abseits der Zivilisation sperren lassen, da ihm die Sterne prophezeit haben, Sigismund werde sich zu einem unberechenbaren, gewalttätigen, zur Herrschaft ungeeigneten Tyrannen entwickeln. Nun will Basilius seinen inzwischen erwachsenen Sohn prüfen. Er will mit dem Prinzen Sigismund als Versuchsobjekt „die größte Tat, die je die Welt gesehen hat“, unternehmen: betäubt durch einen Schlaftrunk, soll Sigismund an den Hof gebracht und als König behandelt werden. Zeigt er sich bei dieser Herrschaft auf Probe, wie die Sterne vorausgesagt haben, als Tyrann, wird er wieder in den Turm gesperrt, andernfalls soll er König werden. Doch dieses Experiment gerät schnell außer Kontrolle.
Calderón untersucht in seinem Stück durch Basilius’ Menschenversuch an seinem eigenen Sohn Sigismund, diesem ausgegrenzten barocken Kaspar Hauser, das Potenzial des freien Menschenwillens: Wie frei sind wir in unserem Denken und Handeln?
Pressestimmen:
„Willkommen in Kruse-Land! […] Diese optische und akustische Überwältigungsmaschine ist eine stimmige Neuinterpretation des barocken Welttheaters, in das Kruse mit seiner dritten Inszenierung am Kölner Schauspiel (nach „Beat Generation“ und „Die Geburtstagsfeier“ eintaucht. […] Als Traumgebilde sind Kruses Arbeiten schon oft bezeichnet worden, und tatsächlich scheint er mit dieser entrückten philosophischen Komödie genau in seinem Metier zu sein. Das Geschehen auf der Bühne wirkt, als habe sich ein Calderón-Traum in eine surreale Kunst- und Zitatenwelt materialisiert. Der bizarren Logik des nächtlichen Kopfkinos folgend, wuseln stets alle Darsteller gleichzeitig in irgendeinen Winkel der – wie das menschliche Unterbewusste – verschachtelten und vollgestopften Kulissen und fahren ihren eigenen Film. […] Kruse gilt als Schmerzensmann unter den deutschen Theaterregisseuren auch wegen seines Hangs zu dunklen Visionen. Diese trägt er in seiner teils alptraumhaften Inszenierung zwar mit dickem Pinsel auf, doch auch Momente voll absurder Komik kommen nicht zu kurz. […] Der Regisseur Jürgen Kruse entfacht ein Assoziationstheater, wie man es selten in einer solchen Konsequenz zu sehen bekommt.“ (Jessica Düster, Kölner Stadt-Anzeiger)
„Wer hätte gedacht, dass der Regieanarchist Jürgen Kruse ausgerechnet im frommen Barockdichter Calderon de la Barca ein kongeniales Pendant findet? Kruse schwelgt geradezu trunken vor Glück in den Ausstattungswonnen des Barocktheaters, lässt Kronleuchter auf und nieder sausen, Schauspieler im Pathosfieber glühen, Verse hübsch gegen den Sinn betonen, um ihnen die Glätte zu nehmen – kurz, so wie Calderon ein höchst wirkungssicherer Bühnenautor ist, erweist dieser Regisseur sich als ein gewiefter Maschinist mehr oder weniger subtiler Theatereffekte, der sein Publikum vier Stunden lang zu unterhalten weiß. […] Zum Glück hat er in Jan-Peter Kampwirth einen kongenialen Protagonisten, der dem Furor des falsch erzogenen Prinzen Sigismund ein scharfes Profil verleiht und zugleich dem programmatischen Augenzwinkern der Inszenierung Gestalt gibt, […] wie überhaupt eine ungehemmte, gelegentlich überschäumende Spielfreude das Hauptmerkmal des Abends ist.
[…] Droht jemals Langeweile, kommt die Rock’n’Roll-Orgel zum Einsatz, und zum Schluss hat die leibhaftige Natter ihren Auftritt, um die Zähne in jenes Happy-End zu bohren, das der spanische Dichter seiner Tragikomödie von der verbesserungswürdigen Schlechtigkeit des Menschen verpasst. (Martin Krumbholz, www.kultiversum.de)
„In den Inszenierungen von Jürgen Kruse sind die Grenzen zwischen Traum und Leben schon immer irgendwie fließend gewesen. Man schaut da nicht selten auf Träume von Stücken, bei denen der Text selbst bestenfalls eine von vielen Folien ist, die uns der Regisseur anbietet. Daneben gibt es immer eine ausgiebige Musikfläche, prall gefüllte Bühnenbilder und sprachliche Spielereien zuhauf. Wenn das Zusammenspiel all dieser Zutaten funktioniert, dann werden es prächtige Abende, bewusstseinserweiternd im besten Sinne. Zu einer dieser schauspielerischen Jam-Sessions lädt Kruse jetzt ins Kölner Schauspielhaus ein. Die Vorlage könnte nicht besser sein: Mit Calderón de la Barcas „Das Leben ein Traum”, ergänzt durch die rhetorische Frage „was sonst?”, lädt geradezu ein, jegliche Grenzen zwischen den Wahrnehmungsebenen fallen zu lassen: Was träumt, was lebt hier eigentlich? […] Jan-Peter Kampwirth, das agile Zentrum dieser vierstündigen Expedition durch Calderóns Text, Kruses Plattenschrank und durch treffliche Sprachverdrehtheit („Matjestät”), hat am Ende nichts mehr von der äußeren Wildheit eines Tarzan an sich. Da wirkt er mehr wie der Conférencier eines Unterhaltungsabends. Und keiner soll sagen, er habe hier nicht seinen Spaß gehabt.“ (Arnold Hohmann, Der Westen)
„Wer Jürgen Kruses Regiearbeiten kennt, weiß, dass nichts so gut wie die Traum-Metapher sein Theater beschreibt, sein Simultan-Überwältigungs-Theater, das von einer Überfülle zehrt, die mit dem Adjektiv "barock" nur unzureichend beschrieben werden kann. Calderón de la Barcas Lehrstück, das eine Kaspar-Hauser-Geschichte anhand des Schicksals des Prinzen Sigismund erzählt, den sein Vater König Basilius wegsperrt, um einer bösen Prophezeiung zu entgehen, ist für Kruse natürlich eine Steilvorlage. […] Immer wieder unterbrochen von dröhnenden Rock- und Gothic-Songs, die dem Abend eine Mischung aus lässiger Pathos-Verweigerung und trashig düsterer Oper geben, treibt Kruse dem Lehrstück die Moral ziemlich gründlich aus. Alle Figuren sind mehr oder weniger Getriebene und Verkommene, keine Lichtgestalt befriedet den streitbaren Haufen auf der Jagd nach der Macht. Das Kraftzentrum des Abends ist Jan-Peter Kampwirths virtuos sich vom zähnefletschenden Untier zum ironischen Manager wandelnder Sigismund, für den allein die Reise nach Köln lohnt. Ihm ebenbürtig in Sachen Präsenz ist Anja Lais als enttäuscht zürnende Rosaura, überschäumende, doch präzis verzahnte Spielfreude zeichnet auch den Rest des Ensembles aus.
Nicht weniger als vier Stunden dauert Kruses Calderón-Exerzitium, doch man sieht sich nicht satt am wimmelnden Geschehen, den üppig aufgefahrenen Theatereffekten und dem subtil zwischen Volldampf und ironischer Beiläufigkeit agierenden Ensemble. Narkotisch.“ (Regine Müller, Rheinische Post)
„Die Inszenierungen von Jürgen Kruse sind unverwechselbar: Überfülle, simultane Abläufe und rumpelkammerhafte Einrichtungen auf der Bühne. Nun ist in Köln "Das Leben ein Traum" zu sehen - und wieder wird es außergewöhnlich. […] so braucht der Theater-Schamane vier kurze Stunden für seine Exerzitien. Wie in letzter Zeit oft in Köln, sind die Schauspieler wunderbar aufeinander abgestimmt - obwohl alles durcheinander passiert, scheint doch eins immer exakt ins andere zu greifen.“ (Dina Netz, Deutschlandradio)
„Langsam öffnet sich der rote Vorhang. Drei Kronleuchter bewegen sich auf und ab, eine riesige Kugel dreht sich, halb Mond, halb Erde, in einem durchsichtigen, schiefen Turm ist ein Mann gefangen. Willkommen im Jürgen-Kruse-Land. Ein mehrstimmiger Choral von der Tonspur geht schnell in den ersten Rocksong des Abends über. Viele weitere werden folgen. Wer die rauschhafte Ästhetik dieses einzigartigen Regisseurs mag, kommt zu Beginn der Kölner Aufführung von Calderón de la Barcas „Das Leben ein Traum“ auf seine Kosten. Seit Jahrzehnten hat sich kaum etwas geändert in Kruses Kosmos. Die Schauspieler kommentieren und persiflieren die Texte, unterbrechen für ein knappes „Gu’n Abend“, kaluaern und wortwitzeln, die „Majestät“ wird zur „Matjestät“. Sie sind meistens entspannt, über den Druck, etwas ernsthaft vorzuspielen, sind sie längst hinaus. Coolness und Ironie regieren, manchmal stürzen sich die Darsteller in einen wilden Schwertkampf oder strengen sich an für einen kurzen Monolog. Aber alles ist Zitat, Andeutung, Erinnerung an etwas, das mal Theater war. Und dann verdichtet sich die Szene plötzlich doch, wenn die Wörter verstummen, das Licht, die Körper und die Musik übernehmen die Show. Jürgen Kruse ist auch ein großer Melancholiker, ein Poet der Suche nach Gemeinsamkeit. Dann kreisen die Schauspieler wie einsame Planeten durch ein Weltall namens Bühne, ziehen sich an und stoßen sich ab. Und werden zu Projektionsflächen für die Verlorenheit des Zuschauers. […]“ (Stefan Keim, Frankfurter Rundschau)
KOMMENTAR VERFASSEN
Günther Damm schrieb am 30. 6. 2010 um 19.41 Uhr
Sehr geehrter Herr Weber,
vielen Dank für Ihre ausführliche und souveräne Antwort. Es beschämt mich ein bisschen, dass hier so sehr über meine (zugegeben: polemische) Randbemerkung diskutiert wird - und nicht das Stück selbst im Vordergrund steht. Deshalb will ich auch außer einer Entschuldigung für das verlorene "r", das sich in Ihren Namen gemogelt hat nicht viel erwidern, und nur hinzufügen, dass ich Ihr Spiel sogar sehr schätze, mir aber die den Rollen zugeeigneten Nuancen fehlen. Im Spieltrieb war ich noch begeistert von Ihrem Spiel, fand dann aber zu viel Gleichförmigkeit in den folgenden Rollen.
Sie fragten, was dagegen spräche, wenn eine Idee schon nach fünf Minuten verstanden würde. Wie Sie bin ich der Meinung, dass das Theater nicht zum dreidimensionalen RTL-Kreuzworträtsel verkommen sollte und den Zuschauern etwas zumuten darf.
Aber für mich persönlich war diese Inszenierung keine Zumutung - im Sinne einer Herausforderung an Intellekt, Urteilsfähigkeit, Selbst- und Sinneswahrnehmungen. Ich hatte daran nicht zu knacken, in Zweifel zu ziehen, sondern ging (leider) vollkommen unbeschädigt aus dem Saal.
Die Idee trug nicht für einen langen Abend - obwohl das Potenzial dafür vorhanden war (Sie wissen ja; die größte Wut trifft immer die größte Liebe: die unerfüllte). Und das trifft ins Herz des Theaters: Weil es heißt, dass die Dramatik gefehlt hat. Das jedenfalls war mein Erlebnis. Ein enttäuschendes.
Michael Weber schrieb am 30. 6. 2010 um 13.11 Uhr
Von einem Zuschauer darauf hingewiesen, stellten meine Kollegin Anja Lais und ich vor ein paar Tagen überrascht fest, daß wir seit der Premiere von „Das Leben ein Traum (was sonst)“ Gegenstand dieser Debatte geworden sind. Ich möchte ein paar Bemerkungen dazu machen: Zunächst möchte ich Herrn Damm für seinen Beitrag danken. Von den darin von ihm gestellten Fragen kann ich zumindest eine sicher beantworten. Weder Anja Lais noch ich sind per Vertrag gezwungen, jede Rolle in Mimik, Gestik, Bewegung und Phrasierung gleich anzulegen - das ist wirklich nicht Bestandteil unserer Verträge - insofern können wir Herrn Damm da beruhigen. Dennoch hat er, vielleicht ohne es zu wollen, damit eine wirklich interessante Frage berührt - die Debatte um die „Verwandlungs-“ oder die „Identitäts-Schauspieler“ ist wohl so alt wie der Beruf selbst. Neulich hörte ich im Radio, in einer Sendung zu Clint Eastwoods achtzigstem Geburtstag, dieser sei des öfteren darauf angesprochen worden, warum er „immer gleich“ spiele, oder besser immer „gleich nicht spiele“. Wie auch immer, wenn man, wie ich, ein paar Jahre diesen Beruf ausübt, kommt man immer wieder an den Punkt, wo man sich wiederholt, auf alte Mittel zurückgreift, sich selbst jedenfalls nicht gerade überrascht - und das oft mit einem eher beschämenden Gefühl des Nichtgelingens und des Ärgers. So refelektiert ist man auch in diesem Beruf schon, auch wenn andere Medien immer wieder recht erfolgreich den Eindruck zu erwecken versuchen, Voraussetzung und Vollendung des Berufs sei die bekannte Mischung aus Narzißmus und sich selbstdarstellender Hirnlosigkeit.
In der Arbeit am Stück „Das Leben ein Traum“ lag es nun aber doch ganz anders - hier ging es nach unserem Verständnis darum, eine Atmosphäre auf der Bühne zu schaffen, die einen Zugang zum Stück und zur Thematik neben, mit, unter und über dem Textmaterial ermöglicht, jenseits und manchmal trotz dieses. Und eben nicht um die Virtuosität schauspielerischer Mittel, deren irgendwie klug berechneten Einsatz, oder überlegter Ökonomie. Herr Damm hat ja offensichtlich den Weg des Regisseurs Jürgen Kruse über einen langen Zeitraum verfolgt, und weiß vielleicht, was ich meine, wenn ich den Begriff „spirit“ dafür benutze. Und daß das durchaus nichts mit Beliebigkeit zu tun hat und dennoch schwer zu beschreiben ist, wird er vielleicht auch wissen. Und dieser „spirit“, der diese Arbeit und Inszenierung getragen hat und trägt, sogar ein großer Teil derselben einfach „ist“, der wird eben hergestellt aus den vorhandenen Mitteln, den vorhandenen Leuten, den vorhandenen Stimmen, den anwesenden Körpern. Ob es uns gelungen ist, soll völlig zu Recht dem Urteil jedes Zuschauers anheim gestellt sein, aber das war die Arbeit, der Versuch und die Reise mit diesem Stoff. Wem welche Körperhaltungen gefallen, ist dann doch mehr Geschmackssache.
Soweit zu der Frage von Herrn Damm zu unseren Vertragsmodalitäten. Eine zweite, die der Loslösung von Inhalt und Form, ist natürlich auch sehr interessant, und es ließe sich vieles darüber sagen. Hier aber nur zwei Rückfragen: Was spricht eigentlich gegen eine Idee, die man schon nach fünf Minuten verstanden zu haben glaubt, auf der Bühne? Eine Theateraufführung ist ja keine Quizshow, in der die Spannung aufhört, wenn die Lösung erraten ist. Und was spricht gegen eine Plattensammlung, wenn sie sich angeblich „rumgesprochen“ hat? Wird sie dadurch schlechter?
Daß ich mir zu anderen Punkten, wie z.B. dem der Beurteilung der Qualität meiner von mir außerordentlich geschätzten Kollegin Anja Lais, hier Bemerkungen erspare - dafür bitte ich um Verständnis. Das („Gähn.“ und „Es nervt.“) ist dann doch zu langweilig, oder, um es mit Herrn Damms eigenen Worten zu sagen: „Zwischen DSDS und Sitcom hängen geblieben“. Frau Lais jedenfalls wird sich in der nächsten Spielzeit leider hauptsächlich im Ausland aufhalten, und dort, wie sie sagte, versuchen, in sich zu gehen, aber ausländisch.
Ich höre auf, es ist eh recht ausführlich geworden. Zum Schluß noch eine Anmerkung in eigener Sache: Lieber Herr Damm, ich heiße ebensowenig Michael Werber wie Sie Günther Darm, sondern - Michael Weber.
Hanns-Friedrich Beckmann schrieb am 28. 6. 2010 um 04.03 Uhr
Peepshow für Intellektuelle - ist das jetzt politisch oder sexuell gemeint? Bis auf die eine inzestöse Szene, auf die man gut und gerne verzichten könnte, habe ich nicht das Geringste gesehen, was irgendeiner Aufregung wert wäre. Am Schluss finden sich die Paare - dazu gehören Balzrituale im Vorfeld - wo ist das Problem?
Kunst polarisiert nun mal - und das ist auch gut so!!!
Sicher hätte das gleiche Stück viel mehr Zuspruch, wenn es in Köln spielte und/oder das Wort "Kölle" 3 bis 4 mal erwähnt würde. Und wenn es dann auch noch eine Gelegenheit zum Mit-Schunkeln geben würden....
Schöne Grüße
frau k. schrieb am 27. 6. 2010 um 21.13 Uhr
interessant, wie sehr dieses stück polarisiert. ich fand die inszenierung , wie gesagt, auch nicht so gut, und verschiedene punkte sind mir beim lesen der kommentare wieder eingefallen. den angedeuteten geschlechtsakt fand ich überflüssig, da er sich für mich aus der handlung nicht erschloss. grundsätzlich finde ich ausserdem auch, dass die zeit von sex und nacktheit als provokation vorbei sein sollte, da man täglich und überall damit zugekleistert wird - da wünsche ich mir im theater auch eher das gegenteil. allerdings ist es schade, wenn - wie hier teilweise geschehen - daraus eine grundsätzliche ablehnung des stücks und verurteilung des regisseurs entsteht. in der "geburtstagsfeier" (eines meiner lieblingsstücke)finde ich die andeutung des geschlechtsverkehrs absolut schlüssig, die szene und atmosphäre unterstreichend.
mich hat aber insgesamt viel mehr gestört, dass ich meinem roten faden nicht folgen konnte - dem gedanken, was denn wäre, wenn - das leben ein traum wäre? und was das für sigismund bedeuten würde? mir war es zuviel ablenkung durch zuviel klamauk: die entgegengesetzte betonung, ständiges lachen, singen und ein paar zu viele "schenkelklopfer" (neben durchaus feinsinnigem humor).
wirklich überzeugend fand ich dagegen das bühnenbild (sehr gut auch das plätzetauschen!). die vielheit eines traums war durch das simultane spielen gut dargestellt, allerdings auch überfordernd (für mich); zusammen mit der länge des stücks war das dann ziemlich anstrengend.
ich finde es aber fragwürdig, das stück als verschwendung von steuergeldern abzutun, wenn man es nach 45 minuten verlassen hat - meiner meinung nach kann man sich dann kein urteil erlauben (und sollte vielleicht die grundsätzliche bereitschaft hinterfragen, sich auf ungewohnt-unbequemes einzulassen - oder lieber fernsehen.).
mAri Anne schrieb am 27. 6. 2010 um 07.40 Uhr
Futter für den Kopf? Naja wohl eher Piepshow für Intellektuelle. Traurig, dass bei vielen Stücken nackte Leute oder Balzakte eingebaut werden, wo eigentlich keine stattfinden...Als ob das Stück dadurch an Intensität gewinnen würde. Jedenfalls war dies total unnötig und es fehlte jeder Bezug. Sex sells hat wohl auch das Theater erreicht und wird hier als Kunst wiedergegeben. Langweilig! PS. Sollte ich mit meiner Sicht falsch liegen, lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.
Hanns-Friedrich Beckmann schrieb am 27. 6. 2010 um 05.08 Uhr
Meine Frau und ich fanden die Aufführung super!!
Rundum gelungen, das Stück, die Darsteller, die Bühne, die Aussage.
Unfassbar nur, dass sowenig Zuschauer bei diesem spektakulären Ereignis zugegen waren.
Zumindest wir verbrachten einen außergewöhnlich interessanten Abend - FUTTER FÜR DEN KOPF in Zeiten der Verblödung durch Prolo-TV.
Schöne Grüße
anne nini schrieb am 27. 6. 2010 um 04.59 Uhr
Ich habe mit meiner Enkelin die Aufführung besucht. Mich hat die falsche Betonung der Reime sehr gestört und ich hätte die Geschichte ganz und gar nicht verstanden, wenn mir der Inhalt nicht bekannt gewesen wär. Zu meinem Erstaunen war meine Enkelin (14) begeistert und wollte bis zum Ende bleiben.
surfguard schrieb am 26. 6. 2010 um 13.20 Uhr
Liebes Schauspiel Köln, lieber Jan Hein, wenn Ihr Verständnis der Kommentarseiten sein sollte, dass man keine Kritik an den Schauspielern üben darf, dann bitte ich Sie herzlich, Ihrer Ankündigung nachzukommen, und diese Kommentarspalten zu schließen. Die Kritik von Herrn Damm ist zwar deutlich und auch etwas polemisch formuliert, aber sie ist in keiner Weise persönlich. Er kritisiert die Arbeit von zwei Schauspielern, nicht die Menschen. Ich teile die Kritik übrigens inhaltlich nicht, aber ich setze mich mit ganzem Herzen dafür ein, dass man sie hier äußern darf und möchte Ihnen zurufen: Nicht so dünnhäutig!
B.S. schrieb am 26. 6. 2010 um 05.43 Uhr
Ist es möglich die Titel und die dazugehörigen Interpreten aus dem Stück für alle zugänglich zu veröffentlichen? Gerne in diesem Forum - nachdem bereits mehrere Zuschauer diesen Wunsch geäußert haben... Schon vorher, Besten Dank
mAri Anne schrieb am 26. 6. 2010 um 02.48 Uhr
Am Dienstag habe ich das Stück besucht. Auch ich habe das Theater frühzeitig verlassen. Obwohl es durchaus Gründe gab, sitzen zu bleiben: Jan-Peter Kampwirth und ganz besonders Michael Weber. Großartig! Leider konnten diese beiden genialen Schauspieler nicht über durchgängige unnötige O-Tone (dieser nervige Dauergesang+das immerzu Kichern der Damen)hinwegtrösten. Ich konnte auch überhaupt nicht nachvollziehen, warum sexuelle Übergriffe fast präsenter waren als das Stück selbst. Entweder ich habe die "Metapher" dieser Tabledance-Romantik nicht verstanden oder das musste da rein, um den Zuschauer irgendwie 4 Stunden bei Laune zu halten...?! Enttäuschend, da ich Chalderons Drama sehr mag und meine Euphorie von Stunde zu Stunde schwand. Zu guter letzt dann doch noch etwas Positives: auch ich hätte gern den "Soundtrack" des Stücks.
Michael Vogt schrieb am 25. 6. 2010 um 18.17 Uhr
Sehr verehrte Frau Lais,
nach jeder Spielzeit fürchte ich, dass Sie aus irgendeinem Grund das Ensemble verlassen könnten und bin geradezu erleichtert wenn ich ihren Namen im Programm wieder lese. Ich habe Sie in vielen, exzellenten Rollen erleben dürfen – ich fühle mich immer reich beschenkt wenn ich Sie auf der Bühne sehe. Danke!
Herrn Jan-Peter Kampwirth habe ich noch nie so exzellent wahrgenommen wie in der Rolle als „Sigismund“ für mich eine Entdeckung.
Mein Dank gilt übrigens der gesamten Schauspielergruppe der Kölner Bühnen.
Alle spielen mit Leidenschaft es groovt!
Markus Dietz schrieb am 24. 6. 2010 um 05.13 Uhr
Ich war noch nicht in „Das Leben ein Traum“, lese eben etwas verwundert die Kommentare. Das ist doch eine freies Forum, oder? Herr Damm hat doch keine Persönlichkeitsrechte verletzt, sondern lediglich das Handwerk zweier Schauspieler bemängelt. Wenn man einen Regiestil kritisiert meint man damit doch auch nicht die Persönlichkeit des Regisseurs! Man sollte jeden sinnvollen Kommentar hier begrüßen. Mich ärgert die offizielle, moralisierende Stellungnahme sehr. Und darüber hinaus teile ich sogar die Meinung von Herrn Damm, der hier unbegründet in die Ecke getrieben wird.
frau k. schrieb am 23. 6. 2010 um 19.19 Uhr
ich fand das stück etwas anstrengend - vor allem etwas zu lang (träume dauern höchstens eine dreiviertel stunde...), obwohl ich die im publikumsgespräch geschilderte traumhafte verwirrung durchaus nachvollziehen kann und von der idee her auch gut finde.
wie bei der "geburtstagsfeier", hätte ich auch hier gerne den soundtrack!
deutlich zurückgeblieben von diesem abend sind einige bilder, für die allein es sich schon gelohnt hat: michael weber und anja lais, tanzend; der könig und der alte, in ihre umhänge gewickelt; und jan-peter kampwirth mit langen haaren!
das publikumsgespräch ist im übrigen eine sehr gute sache.
Günther Damm schrieb am 23. 6. 2010 um 13.15 Uhr
Vielleicht haben Sie ja recht - und diese Kritik gehört nicht in dieses Forum. Vor allem wollte ich niemanden persönlich angreifen. Sollte das so angekommen sein, entfernen Sie bitte den entsprechen Abschnitt.
Wer sich auf die Bühne stellt, rechnet ja hoffentlich damit, gesehen und wahrgenommen zu werden. Er/Sie stellt sich der Kritik. Meine sollte nicht beleidigen, das täte mir leid. Nichtsdesto trotz halte ich sie inhaltlich für gerechtfertigt - auch wenn die beiden genannten sehr viele Bewunderer haben.
Torsten Müller schrieb am 23. 6. 2010 um 11.45 Uhr
Vielleicht sollte ich die Klappe halten, ich gehe heute Abend erst in (meinen ersten) Kruse, aber ich möchte diesem Herren vehement widersprechen. Meiner Meinung nach ist Frau Lais eben keine Schauspielerin, die immer das gleiche spielt. Mehr noch: Man könnte sagen, Frau Lais ist meine Lieblingsschauspielerin am Schauspiel Köln. Ich freue mich immer, wenn ich sie in einer Inszenierung sehen darf.
Es ist schade, dass bei den Kommentaren (natürlich) auch solche peinlichen Aussagen auftauchen.
Tina Sommer schrieb am 23. 6. 2010 um 10.00 Uhr
Dieser Abend war wirklich prachtvoll und überwältigend. Ein riesiges Kompliment für das Bühnenbild! Ich fand Anja Lais und Michael Weber, wie auch den Rest des Ensembles, ebenfalls wirklich toll! Was den unqualifizierten Kommentar von Herrn Damm angeht, möchte ich mich meinen Vorrednern anschließen: Das gehört so nicht in dieses Forum! Konstruktive Kritik ist gut und sinnvoll, aber einen solch persönlichen Angriff finde ich einfach nur geschmacklos!
Pia Altgeld schrieb am 23. 6. 2010 um 09.43 Uhr
Das Leben ein Traum – eine phantastische Inszenierung, ein opulenter Theaterabend, ein Fest für die Sinne mit einem ganz großartigen Ensemble, allen voran Anja Laïs. Herr Damm, Ihre unter die Gürtellinie gehende und zutiefst verletzende Kritik an Anja Laïs und Michael Weber ist mir schier unbegreiflich. Derart unqualifizierte Äußerungen gehören für mein Empfinden nicht auf diese Seite.
Nicole Gabler schrieb am 23. 6. 2010 um 08.29 Uhr
Hallo Herr Damm,
was bilden Sie sich eigentlich ein - wie können Sie es wagen eine Schauspielerin persönlich so anzugreifen und auf solch eine Art zu verletzen? Ich finde ich es peinlich das Zuschauer sich zu solchen Äusserungen , die mit der Sache nichts zu tun haben, hinreissen lassen.
Liebe Anja Lais, ich fand Sie wie viele andere übrigens auch - einfach großartig! Lassen Sie sich bitte nicht ins Bockshorn jagen, ich habe selten eine differenziertere Schauspielerin auf der Bühne gesehen als Sie. Danke für den Dank Ihnen wunderbaren, viel zu langen Abend.
Detlef Fleischer schrieb am 23. 6. 2010 um 02.30 Uhr
Danke für diesen großartigen Theaterabend. Das war Thater pur!
Großes Kompliment an das Ensemble, das Bühnenbild und die Licht- und Musikregie.
Ein Ereignis, auf das man sich unbedingt einlassen sollte.
Michael Vogt schrieb am 22. 6. 2010 um 19.59 Uhr
DAS LEBEN EIN TRAUM (WAS SONST)
Eine großartige, erregende und fesselnde Inszenierung – Kompliment!
Schade dass es so wenig Beifall gab.
Frau Lais ist großartig - ich liebe sie!
Günther Damm schrieb am 22. 6. 2010 um 18.40 Uhr
Das war nach dem "Meister und Margherita" an der Volksbühne das zweite Schauspiel meines Lebens, das ich frühzeitig verlassen habe. Das lag nicht einmal an den Ideen der Regie, die zwar nicht sonderlich neu, aber durchaus interessant waren: Zwischen Traum und Wirklichkeit bleiben Unterhaltungsformate, bei denen sich Inhalt und Form vollkommen voneinander gelöst haben. Und der letzte Traum? Zwischen DSDS und Sitcom hängen geblieben. Und irgendwo im Hintergrund wissen wir noch von der italienischen Renaissance, die Vorlagen zu einem Traum von der Wirklichkeit bieten könnte.
Insofern: Bekanntes Kruseland.
Woran liegt es, dass Kruse, den ich seit seiner Arbeit bei Schirmer in Freiburg - ich glaube, es war "der Prinz von Homburg" - gerne verfolge, seine Ideen immer weniger durchformen und konsequent in die Praxis umsetzen kann? Warum schafft er es einfach nicht mehr, Ideen umzusetzen? Wenn die Betonung in der Sprache sich von den Inhalten trennt, muss das dann zu einer langwierigen Kaugummi-Inszenierung führen, der man nach zwei Stunden einfach nicht mehr gewillt ist zu folgen, weil man die Idee schon nach fünf Minuten verstanden hat?
Und ehrlich gesagt hat sich inzwischen auch rumgesprochen, dass der Regisseur über eine "legendäre Plattensammlung" verfügt. Musikeinlagen müssen für meine Begriffe schon mehr Sinn machen, als musikalische Kommentare zum schon Gesagten abzuliefern. Ich fühle mich nicht überfordert von dieser Inszenierung, sondern für dumm verkauft.
Eine böse Frage möchte ich an dieser Stelle auch endlich einmal loswerden: Werden Frau Lais und Herr Werber eigentlich per Vertrag gezwungen, jede Rolle in Mimik, Gestik, Bewegung, Betonung und Phrasierung gleich anzulegen? Gibt es noch eine andere Haltung von Frau Lais als die der X-beinig auf dem Sessel sitzenden mit abgeknickten Füßen und hochgezogenen Zehen, leer Richtung Decke gerichtetem Blick und breiter Phrasierung aller Sätze? Bitte, das Problem ist nicht die Wiederholung. Das Problem ist, dass Frau Lais ihr immer gleiches Spiel fast nie zum Stück passt. Standbein, Spielbein, Standbein, tänzelnd. Gähn. Man weiß es schon, bevor sie überhaupt auf der Bühne ist. Es nervt. So sehr, dass ich Stücke mit ihr in Zukunft einfach meiden werde.
Für mich war das Stück heute deshalb ärgerlich, weil gute Kruse-Ideen als Rohrkrepierer endeten, obwohl es vermutlich nicht viel für einen großartigen Abend gebraucht hätte.
SCHAUSPIEL KÖLN: Sehr geehrter Herr Damm, ganz deutlich möchten wir unser großes Missfallen an Ihrem Kommentar zum Ausdruck bringen. Eine Kommentarseite, so denken wir, ist nicht dafür gedacht und eingerichtet, die Persönlichkeitsrechte einzelner Schauspieler zu verletzen und ihnen Schaden zuzuführen. Bislang haben sich alle Kommentatoren an diese Spielregel gehalten. Andernfalls sähen wir uns künftig gezwungen, von unserem Redaktionsrecht Gebrauch zu machen und entsprechende Verunglimpfungen zu löschen. Zudem kann das Schauspiel Köln auch inhaltlich Ihre Meinung nur weit von sich weisen. Wir stehen voll und ganz hinter den Leistungen der beiden Protagonisten unseres Ensembles.
Mit freundlichen Grüßen, Jan Hein, Produktionsdramaturg
P.S.: Dass Sie den Werdegang von Jürgen Kruse seit Freiburg verfolgen, freut uns natürlich.
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