
TOM KÜHNEL / JÜRGEN KUTTNER
Eine Fliessbandproduktion
BESETZUNG
In der großen Mehrheit halten immer noch Familien die Hand über die wichtigen Unternehmen der Welt. Familienbeziehungen sind kein überholtes und bedeutungsloses Relikt. Bei genauerem Hinsehen entscheiden sie auch über die Auswahl der US-amerikanischen Präsidenten. Geschichten über Familien, Geld und Macht bergen Drama und Leidenschaft in sich: 1928 stampft der Erfolgsunternehmer Henry Ford die Stadt Fordlandia aus dem Dschungel am Amazonas. Fünftausend Kautschukzapfer saugen dort das Material für Autoreifen aus den Bäumen und bilden eine Kleinstadt mit festen Straßen, fließend Wasser, Strom und einem Krankenhaus. Bereits 1930 bereiten Arbeitskämpfe und Erosion der Plantage den Anfang vom Ende. 1973 kehren etwa 300 türkische Mitarbeiter der Kölner Ford Niederlassung zu spät aus ihrem Heimaturlaub zurück und sollen entlassen werden. Türkische Arbeiter erklären sich solidarisch, viele deutsche Kollegen begrüßen die Kündigungen, der Betriebsrat verhält sich indifferent.
Es kommt zu spontanen Arbeitsniederlegungen. Der Streik wird nach einer Woche gewaltsam beendet, die BILD titelt „Deutsche Arbeiter erkämpfen ihre Fabrik zurück“.
Die Firma Ford ist für Köln so zentral, wie für die ganze Welt. Und der Postfordismus ist eine Lüge: Die Fließbandproduktion lebt nicht nur in den Köpfen weiter, die Serie wird Gesetz!
Jörg Huwer: "Die Versuche, sich vergangener Ereignisse zu bemächtigen, enden oft zwangsläufig in deren emplotment, der Herstellung einer kohärenten Erzählung, die – um eben diese Stimmigkeit zu erzielen – sich der Zuspitzung auf eine Anekdote bedient. Unabhängig von der üblicherweise elaborierten empirischen Fundierung historischer Großbegriffe, gewinnen diese ihre Überzeugungskraft letztlich aus dem Potential ihrer Anschaulichkeit. Und dies umso mehr, wenn – wie im Falle des „Fordismus“ – tatsächlich ein scheinbar unerschöpfliches Reservoir von Erzählungen und Mythen abrufbar ist. Sie fungieren als letzter Anker, wenn sich die notwendige Unbestimmtheit derartiger Narrative in Beliebigkeit aufzulösen droht; etwa wenn die sich Kontingenz historischer Wirklichkeit als widerspenstig gegenüber ihrer theoretischen Einhegung erweist. Die Geschichte des Streiks mehrheitlich türkischer Arbeiter des Kölner Ford-Werks im Jahr 1973 mag als solche Anekdote betrachtet werden, indem sie über ihren engeren Kontext hinausweist. In ihr kulminieren unterschiedliche historische Entwicklungen: Die Konstellation der Konfliktparteien verrät, wo einige der Grenzen des gesellschaftspolitischen Leitbilds des „fordistischen Kompromisses“ – der Verbindung des ökonomischen Fortschritts mit dem Ziel sozialer Gerechtigkeit – lagen. Zeitgenössisch bereits als „Spätkapitalismus“ erkannt, schien das sozialpartnerschaftliche Modell westdeutscher Prägung von zwei Seiten gefährdet: von den „Grenzen des Wachstums“ und der Aufhebung des etablierten Konsenses durch die Arbeiter. Wenn im „Spiegel“ damals der Streik der Migranten zuvorderst als „Revolte gegen das Fließband“ gewertet wurde, spielte hier wohl auch die Rezeption der Arbeitskrise in den USA, dem Ursprungsland der Bandproduktion, hinein, die mit den Schlagwörtern vom „blue-collar-blues“ und „white-collar-woes“ gefasst wurde. Doch ist dies nicht der bestimmende Hintergrund der folgenden Anekdote; sie vielmehr erschließt erst, wenn das intrikate Verhältnis des ökonomischen Leitbilds mit dem Phänomen der Arbeitsmigration als Deutungsfolie genommen wird.
Im August 1973 traten Arbeiter der Ford-Automobilwerke in Niehl und Merkenich in einen fünftägigen „wilden“ Streik. Dies war in den damaligen Sommermonaten keine seltene Erscheinung, konnten doch in diesem Zeitraum etwa 200 größere und kleinere solcher spontanen Arbeitsniederlegungen in den westdeutschen Industriebetrieben verzeichnet werden. Diese richteten sich hauptsächlich auf eine Korrektur der mäßigen Tarifabschlüsse des Frühjahrs. Die besondere Bedeutung des Kölner Streiks lag darin begründet, dass er hauptsächlich von türkischen Arbeitern geführt wurde. Mehr als 8000 der damals bei Ford beschäftigten 14000 „Gastarbeiter“ beteiligten sich an dem Ausstand, was ihn zum größten Streik ausländischer Arbeitnehmer in der Geschichte der Bundesrepublik machte. Weit über die Kölner Grenzen hinaus wurde dem Arbeitskampf als „Türkenstreik“ oder „Aufstand der Konjunkturkulis“ publizistisch Beachtung geschenkt und je nach Standpunkt wurden die Ereignisse in Presse und Politik etwa als Fanal einer Emanzipationsbewegung der in den 60er Jahren angeworbenen Migranten gedeutet, häufig auch als Beleg für die inhumane Einbindung der „industriellen Reservearmee“ in eine kapitalistische Verwertungslogik oder als Bestätigung der düsterer Prognosen, die vor den sozialen Kosten der Gastarbeiter-Einwanderung gewarnt hatten.
In der Tat war auch die Kölner Stadtverwaltung seit Anfang der 70er Jahre auf Missstände im Zuge der Ausländerbeschäftigung aufmerksam geworden: „Umweltschäden, Überfremdungsangst und Originalitätsverlust“, zählte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 1973 zu den dringendsten Problemen der Stadtteile mit hoher Ausländerquote. Von den damals in Köln lebenden knapp 100000 Ausländern stammten 37 Prozent aus der Türkei. Seit 1971 konnte am signifikanten Absinken der Rotationsquote ein Rückgang der Mobilität unter den Türken beobachtet werden. Trotz der zunehmenden Zahl der Familienzusammenführung und der bereits in Deutschland geborenen Kinder spiegelt die Situation der Migranten bis in die 70er Jahre hinein das Bild einer provisorischen Einrichtung eines zeitlich begrenzten Aufenthalts mit einer – beding durch die Mechanismen des Wohnungsmarktes – beinahe hermetischen Trennung von der deutschen Bevölkerung wider. Bedingt durch die auf dem Wohnungsmarkt etablierten Mechanismen schrieb sich die konzentrierte Unterbringung der Migranten in den Werkswohnheimen durch die Reservierung einschlägiger Stadtviertel und Straßenzüge allmählich im urbanen Raum fort.
Die Anziehungskraft von Köln als Zielort der Migration resultierte vor allem aus der starken Arbeitskräftenachfrage der Ford-Werke. Die Gesamtbelegschaft aller Ford-Produktionsstätten in der Bundesrepublik hatte sich zwischen 1962 und 1974 um knapp 60 Prozent von 27000 auf 43000 Mitarbeiter vergrößert. Wie stark dieses Wachstum auf die Verfügbarkeit von ausländischen Arbeitskräften angewiesen war, zeigt die Tatsache, dass im selben Zeitraum die Zahl der beschäftigten Arbeitsmigranten um 190 Prozent zunahm. Bis 1973 stieg die Zahl der türkischen Arbeiter bei Ford auf fast 12000 Personen an. Die angeworbenen Türken bildeten damit die größte geschlossene türkische Industriearbeiterschaft außerhalb ihrer Heimat – selbst in der Türkei gab es damals nur knapp zehn Betriebe mit über 10000 Beschäftigten. Wird berücksichtigt, dass rund zwei von drei türkischen Männern in Köln bei Ford arbeiteten, wird deutlich, dass es innerhalb der Gruppe der Kölner Türken wohl kaum jemanden gab, der nicht zumindest mittelbar über Ehepartner, Angehörige oder Bekannte mit dem Betrieb in Berührung kam.
Die typischen Arbeitsplätze der türkischen Migranten fanden sich in den direkten Fertigungsbereichen des Karosseriebaus, der Bandarbeit im Motoren- und Getriebewerk und besonders in der Endmontage, etwa 80 Prozent von ihnen waren hier eingesetzt. Die deutschen Arbeiter begegneten den Türken meist in den Positionen des Vorarbeiters und Meisters oder der Personalverwaltung. Der Führungsstil der Hallenmeister war dabei überwiegend paternalistisch. Dies resultiert – zum einen – bereits aus dem Organisationsprinzip hochgradiger Arbeitsteilung, dessen wohl radikalste Innovation in der konsequenten Verteilung von intellektuellen und physisch-repetitorischen Tätigkeiten auf verschiedene Personen bestand und dessen Rechtfertigung eine beständige Aufgabe des Personalmanagements blieb. Etwa wenn der Leiter der Personalabteilung bei Ford Ende der 1960er Jahre schrieb, dass die überwiegende Mehrheit „der ungelernten und angelernten Arbeitskräfte […] im Grunde mit ihrer Tätigkeit, die sie ausüben, zufrieden [seien und] keine Mobilitätsabsichten“ zeigten. „Nach einer gewissen Geläufigkeit stereotyper Arbeitstätigkeit kann sich der Mitarbeiter sogar mit seinen Kollegen über seine Freizeitbeschäftigung (z. B. Fußball) während der Arbeitszeit unterhalten, ohne daß die Qualität der Arbeit darunter leidet. Anschaulich wird vor Augen geführt, wie aus Sicht des Arbeitgebers der idealtypische Bandarbeiter beschaffen sein musste: ohne Bezug und Interesse zu einer für ihn sinnentleerten Arbeit. Zusammen mit dem anklingenden philanthropischen Grundakkord zeigt sich hier eine Internalisierung der klassischen Axiome fordistischer Arbeitsorganisation, deren Ziel Henry Ford in „Mein Leben und Werk“ noch selbst beschrieben hatte: „die Verminderung der Ansprüche an die Denktätigkeit des Arbeitenden und eine Reduzierung seiner Bewegungen auf das Mindestmaß.“
Die Erfordernisse des Produktionsparadigmas korrespondierten – zum anderen – auch mit dem vorherrschenden Bild vom türkischen „Gastarbeiter“. Im Vergleich zu anderen Migrantengruppen schrieb man diesen dabei eine besondere Affinität für autoritäre Strukturen zu, was immer wieder als Grund für ihre besondere „Eignung“ zur Industriearbeit angeführt wurde. Eine zeitgenössische sozialpsychologische Studie über die türkischen „Gastarbeiter“ in Köln etwa verwies auf die Notwendigkeit fester Orientierungsinstanzen, was in der Haltung der Türken gegenüber der deutschen Gesellschaft sichtbar werde: „Sie kommen mit kindlicher, anspruchsvoller Liebe und erwarten väterliche Gegenliebe.“ Bei der Wahrnehmung der Türken waren somit schneller als bei anderen Gruppen ethnisch-kulturelle Erklärungsmuster zur Hand. Die strukturelle Differenzierung der Belegschaft naturalisierte sich somit auf der Ebene der alltäglichen Kommunikation zwischen Arbeitern und Vorgesetzten.
Eine eben solche Szene aus dem täglichen Produktionsablauf stand auch am Anfang des Streiks: Die Diskussion über eine Bandunterbrechung in der Endmontage dehnte sich rasch aus, so dass sich schon bald ein Demonstrationszug von etwa 1000 Arbeitern über das Werksgelände bewegte und auf seinem Weg streikbereite Kollegen einsammelte. Hintergrund dieser Eskalation war der Unmut über einen Beschluss der Werksleitung. Nach den Werksferien Ende Juli drohte etwa 1000 Arbeitern die Entlassung – denjenigen, die verspätet aus dem Urlaub zurückgekehrt waren. Dies waren vor allem Türken, deren lange Reisewege in die Heimat und zurück einen großen Teil der kostbaren Ferienzeit verschlang. Hatte es die Geschäftsleitung in den Vorjahren bei der bloßen Ankündigung disziplinarischer Maßnahmen belassen, wies sie nun die Hallenleitungen an, verspätete Arbeiter der Personalabteilung zwecks Entlassung zur Verfügung zu stellen. Da für die entlassenen Arbeiter aber keine Neueinstellungen erfolgten, vermuteten Gewerkschafter mit gutem Grund, dass die Verwaltung den „einfacheren Weg der Personalverringerung auf der Basis der gesetzlichen Bestimmungen“ gewählt hatte. Die durch die Entlassungen bedingte erhöhte Arbeitsbelastung und die aus Sicht der türkischen Arbeiter als „Provokation“ wahrgenommenen Entlassungen unter ihren Landsmännern waren die Hauptgründe für den Streikausbruch am Nachmittag des 24. Augusts.
Am Betriebsrat vorbei organisierte sich eine informelle „Streikleitung“, an deren Spitze der damals 30-jährige Arbeiter Baha Targün stand. Mit ihm erhielt der Streik Gesicht und Zentrum und schon nach wenigen Stunden war er – sehr gut deutsch sprechend und rhetorisch versiert – als Sprachrohr der Streikenden fest etabliert. Deren erster Forderungskatalog sah die Rücknahme der Kündigungen, Lohnerhöhungen und die Verringerung der Taktzeiten vor. Neben der Formierung von Demonstrationszügen wurde auch mit anderen Maßnahmen darauf geachtet, dass die Protestenergie nicht durch Pausen der Untätigkeit versiegte. Ein Solidaritätsgefühl ließ sich etwa über Geselligkeit vermitteln; Musiker und Gruppentänze, Geschichtenerzähler und „Agit-Prop“-Theater gestalteten die Szenerie. Mehrmals wurde die türkische Nationalhymne angestimmt. Zur moralischen Stärkung bedienten sich die türkischen Arbeiter aus dem ihnen zur Verfügung stehenden Fundus heimatlichen Brauchtums. Indem sie so ein Gemeinschaftsgefühl schufen und den Streik derart prägten, konnten sie ihn – zusätzlich zu den aus ihrer spezifischen Situation resultierenden Forderungen – als „ihren“ Streik begreifen.
Umgekehrt begannen mehr und mehr deutsche Arbeiter, sich von der spontanen Arbeitsniederlegung zu distanzieren. Die Entsolidarisierung mit den türkischen Arbeitern wurde einerseits begünstigt durch den Einsatz von nationaler Symbolik und Folklore, lag aber auch an den unterschiedlichen Prioritäten in Bezug auf die verfolgten Ziele – hatten doch viele Deutsche die angekündigten Entlassungen von zu spät aus dem Urlaub kommenden Türken begrüßt. Die Spaltung der Belegschaft in streikwillige Türken und streikunwillige Deutsche wurde im Verlauf des knapp einwöchigen Ausstands vollends deutlich, als der Betriebsrat verkündete, dass die Geschäftsleitung der Zahlung eines Teuerungszuschlags zugestimmt habe. Der Tatsache, dass die Türken – deren Streikziele keineswegs aus rein lohnpolitischen Forderungen bestanden – die Arbeitsniederlegung im Folgenden aber fortsetzten, wurde mit Unverständnis und Ratlosigkeit begegnet, die schließlich zu einer gewaltsamen Konfrontation zwischen deutschen und türkischen Arbeitern im Zuge der Niederschlagung des Streiks führte.
Nach einer Woche „Türkenterror“ – ein Schlagwort, das in vielen Zeitungen zu lesen war – stand für die meisten Kommentatoren fest, dass die Arbeitsniederlegung bei Ford eine neuartige Qualität besaß. Die Frage, inwiefern neuartig, wurde unterschiedlich beantwortet. Die Deutungen in den Blättern der Boulevardpresse wurden bestimmt vom Bild des naiven und verführbaren „Gastarbeiters“. Der Kommentar der Bild-Zeitung charakterisierte die türkischen Migranten bei Ford als „gutwillig und diszipliniert“, sie liefen aber Gefahr, „leicht Opfer intelligenter Agitatoren“ zu werden. Strukturelle Einflüsse, die zu Abschottungsprozessen führten, wurden in den Analysen erwähnt, blieben jedoch sekundär; es dominierte die Tendenz, das Verhalten der türkischen Arbeiter mit kollektivpsychologischen Erklärungen auszuleuchten.
Dies führte zur Errichtung, oder besser gesagt zur Umbildung eines Stereotyps: Der in der Regel schweig- und arbeitsame türkische Gastarbeiter-Typus der 60er Jahre erhielt ein zweites Gesicht, nämlich das eines in seiner Impulsivität uneinsichtigen und unzugänglichen Fremden innerhalb der deutschen Gesellschaft. Die Betonung von Emotionalität und irrationalem Verhalten resultierte auch aus der Beobachtung, dass sich der Protest der Türken nicht an den bekannten Mechanismen der sozialpartnerschaftlichen Konfliktregulierung orientierte. Die Spielregeln des in der Nachkriegszeit etablierten Konsens schienen durch den Eigensinn der Migranten aufgehoben. Die eigentlichen Ursachen der Arbeitsniederlegung traten zugunsten der (Re-)Modellierung nationaler Stereotypen in den Hintergrund, der Konflikt wurde gleichsam ethnisiert.
Die Spaltung der Arbeiter entlang der betrieblichen Segmentierung, die unterschiedliche Interessenlagen innerhalb der Belegschaft schuf, wurde somit gefördert. Untereinander aktivierten die türkischen Arbeiter zudem ihr Solidaritätsgefühl und ihre Streikbereitschaft über die kollektive Erfahrung eines gemeinsamen kulturellen Hintergrundes. Der deutschen Öffentlichkeit diente die Offenlegung eigener Traditionen dazu, den Streik der Migranten nicht primär aus ihren Forderungen heraus zu erklären, sondern ihn als „Türkenstreik“ zuvorderst über die als fremdartig wahrgenommene Mentalität seiner Akteure zu beschreiben.
Es bleibt zu fragen, wieso die Unzufriedenheit, die zum Auslöser des Streiks werden sollte, so erheblich war, dass die möglichen negativen Konsequenzen eines Arbeitskampfes in Kauf genommen wurden. Diese Frage verweist auf die Selbstsicht der Einwanderer und deren gesellschaftliche Lage. Es zeigt sich, dass 1973 nicht nur in der deutschen Öffentlichkeit das bisher praktizierte System der Ausländerbeschäftigung neu verhandelt wurde. Auch die Migranten begannen, ihre Rolle innerhalb der deutschen Gesellschaft neu zu definieren. Mit fortschreitender Dauer des Aufenthalts hatten sich die Bedürfnisse und Erwartungen der türkischen Arbeiter an die ihrer deutschen Kollegen angeglichen, wodurch die Asymmetrie der Lebenschancen erst offenbar werden konnte. Die Empörung hierüber diente als emotionaler Rohstoff des Streiks. Das Modell eines „Kampfes um Anerkennung“, das der Frankfurter Sozialphilosoph Axel Honneth formuliert hat, liefert einen Erklärungsansatz für die hier angesprochenen Prozesse. Davon ausgehend, „daß sich die Motive für sozialen Widerstand und Aufruhr im Rahmen von moralischen Erfahrungen bilden, die aus der Verletzung von tiefsitzenden Anerkennungserwartungen hervorgehen“, kann der Streik bei Ford als sozialer Konflikt gedeutet werden, der auf der Strukturebene Ausdruck eines Interessengegensatzes war, von den Streikenden aber als notwendige Reaktion auf die subjektiv wahrgenommene Verletzung von Gerechtigkeitsvorstellungen gesehen wurde." (Jörg Huwer)
KOMMENTAR VERFASSEN
Julia Schmidt schrieb am 18. 1. 2008 um 15.59 Uhr
Henry Ford als Puppe, die halb so groß war wie ein Mensch. Einfach toll gespielt!! Sowas habe ich vorher noch nie gesehen, jede Bewegung war so unglaublich menschlich, man hat die Puppenspielerin gar nicht wahrgenommen.
Die Showgirls gehörten auch nicht zu meinen Favoriten aber alles andere ist durchaus gelungen. Anspruch und Unterhaltung halten sich die Waage. Unbedingt reingehen!
Alanis schrieb am 18. 1. 2008 um 11.07 Uhr
Ich habe das Stück am 16.01.08 gesehen. Die Puppe ist der Hammer und die Puppenspielerin natürlich auch. Es ist so absurd, dass da immer mal Showgirls durchs Bild laufen. Aber ich liebe Absurditäten. Ich war von Anfang bis Ende gefesselt. Wenn das gelingt, ist es sowieso schon mal ein großer Pluspunkt. Einziges Manko sind die Amateurtänzerinnen. Ich habe mich erst gefragt, soll das jetzt aussehen als könnten die es nicht oder können sie es wirklich nicht. Letztlich habe ich mich für "sie können es wirklich nicht" entschieden. Das fand ich etwas schade. Aber sonst habe ich herzlich gelacht und mein Gesicht war öfter mal komisch entrückt (wegen Absurditäten). :-) Also, danke.
Peter Bach schrieb am 24. 12. 2007 um 01.20 Uhr
Meine Highlights:
- Fließband und Cancan: die Bewegung von Armen und Beinen im Takt - und immer schneller.
- Henry I und Henry II, wie kann man die Ablösung der Gründergeneration durch die Erben besser darstellen? Der keifende Alte, der sieht dass sein Werk nur noch als bloße Geldmaschine dient. Ok. es gibt genug Gründe, dass er nicht meine Sympatie bekommen sollte. Aber die Puppe ist umwerfend.
- Die Wohnheimsituation: Das war real - ohne Satire. So war es einfach: Die Verarsche, das Ausgeliefertsein. Das Fabriksystem setzte sich im Wohnheim fort.
- Ein Höhepunkt: der Streik kommt bei Fussbroichs ins Wohnzimmer. Es war ein Streik der Migranten. Die Deutschen Kollegen hatten diese Probleme nicht. Der Fordismus war diskriminierend und diese Diskriminierung war in den Alltagsverstand der deutschen Kollegen eingedrungen. Wohnheim - Wohnzimmer - Streik: Starke Bilder!
- Der Streikablauf: So wie der Vortrag der Schauspielerin immer rasender wird, lief auch der Streik ab. Die Situation war nach dem Mittwoch ziemlich aussichtslos. Die GL hatte sich mit BR und Polizei auf ein gewaltsames Ende geeinigt - und das kam rasend schnell und äußerst gewalttätig.
Ich war damals dabei, bei Ford, und das Stück trägt den Ereignissen in gekonnter Weise Rechnung und wird der Bedeutung der ersten großen Fabrikbesetzung von Migranten gerecht. Die Einfälle der Regie sind grandios, die Schauspieler und die Puppen ein Genuss.
Wir sehen und noch mal im Januar!
Kran schrieb am 12. 11. 2007 um 13.37 Uhr
Worum, bitte, ging es? Um Fordismus, Postfordismus, eine Stadt in Brasilien oder Köln, einen Streik von Gastarbeitern... das verspricht die Werbung, diese Themen findet man aber zwischen all den Tanz-, Werbe- und Sofa-Einlagen nur angedeutet. Schade. Die Autoren übertünchen alles mit einem politischen Fundamentalopportunismus auf Stammtsichniveau.
Das ist weder Fisch noch Fleisch: keine Revue und keine politisch-künstlerische Aufarbeitung. Die Autoren haben das selbst eingesehen und versuchen daher, nach ca. 1 h den Besuchern das Stück zu erklären. Es bleibt dennoch eine Fliesbandproduktion: ein Stück Massenware.
Nicola von Jenisch schrieb am 5. 11. 2007 um 17.21 Uhr
Danke für die vielen Nachfragen: Fordlandia ist wieder zu sehen am 16., 17. und 19. Januar.
Annette schrieb am 5. 11. 2007 um 09.35 Uhr
Die Meinung von Friedhelm Thelen kann ich überhaupt und gar nicht teilen!!!!
Danke erstmal für die Kollegenkarten und für den sehr gelungenen Theaterabend!!!
Mit einem guten Gruß***annette weitzmann
p.s.: ich denke, ich habe es verstanden....und vielleicht hat der "Herr Kritiker" mit der Dialektik ein Problem und überhaupt usw. etc....mancher kann nicht wirken lassen - will aber immer gleich alles verstehen.
Friedhelm Thelen schrieb am 4. 11. 2007 um 17.45 Uhr
Schultheaterniveau - womit ich die Schultheater nicht diskreditieren will.
Raphael Nikolaus Seibert schrieb am 3. 11. 2007 um 09.21 Uhr
Ich war am Mittwoch mit meiner Mutter drin - super; ich gehe heute noch mal - und bleibe auch zum Publikumsgespräch!
Das Stück lohnt sich wirklich. Es zeigt, dass Theater doch immer noch besser ist als Fernsehen!
andreas k schrieb am 1. 11. 2007 um 16.46 Uhr
klasse vorführung, tolle schauspieler, hervorragendes bühnenlicht, effektvolles bühnenbild. leider ist der endmonolg zu lang und nervig. ein anderes finale zb. mit video/ton-einspielungen hätte das stück perfekt abgerundet...trotzdem....leute, geht in diese aufführung...es lohnt sich
Pavel schrieb am 29. 10. 2007 um 12.59 Uhr
Großartige Inszenierung, unterhaltsam, informativ, super gespielt! Geht rein - es lohnt sich :o)
Gustav Bergmann schrieb am 28. 10. 2007 um 18.37 Uhr
Sensationell informativ, unterhaltend, sapnnungsreich und innovativ.
Selbst mein Sohn 11 Jahre war begeistert. Super.
schacko schrieb am 24. 10. 2007 um 10.33 Uhr
Das ist seit Jahren die erste Produktion des Schauspielhauses, die mich interessiert - bin gespannt!
Theodor schrieb am 5. 10. 2007 um 18.17 Uhr
Interessant
Offenbachplatz /
d-50667 Köln /
t 0221-221 282 56 /
f 0221-221 252 86 /
info@schauspielkoeln.de /
IMPRESSUM